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Zweiter Band.
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Die Reform der Heeresverfassung. (März 1860.)

und verweigerte» den Dienst. Da die Generale die Operationen dennoch fortsetzenwollten, liefen die Truppen großentheils auseinander und brachten dadurch diemilitairische Thätigkeit zu einem erzwungenen Stillstand.

Hoche, an die Spitze zweier Armeen gestellt, war es, der vor Allen die Ope-rationen gegen Lust und Neigung der Truppen betrieb, und die republikanischeGroßsprecherei, die diesem Helden zur Zeit eigen war, führt mitunter komischeEffecte herbei, die er nicht beabsichtigt hatte. So schreibt er an Pichegru: „Deinetapferen Truppe» sind ermüdet, ich weiß es. Aber Vaterland und Ehre fordern sieauf, Opfer zu bringen. Du führst sie zum Ruhm und der genügt, Patrioten zuentflammen. Gieb ihnen Brandtwein heute Abend und morgen früh, und es wirdgehen." („Dos braves troupes, je Is sais, sont latigusos. LIais la patris otI'bonnour les engsgsnt ä faire <1os saeriticss. Du tos eauduits a ta gtoire eteile suküt pour entlamiuer des patriotos. Daune-leur l'eau de vie ce soir etdewain uratin et ya ira.^ Doussolin vie de Darare Docke II, 33.)

An einer anderen Stelle sagt Hoche, daß er „de Grandes ruesures" anwende,um seine Truppen zu begeistern: doppelte Rationen Brandtwein nämlich, und Aus-sicht auf Belohnungen in Geld (ibid. II, 35).

Besonders lehrreich ist auch ein Brief an den Präsidenten des National-Convents,in welchem ein ehemaliger Unteroffizier der alten Armee, Namens Vezu, den dieRevolution nach 28 Dienstjahren in Reihe und Glied zum Bataillons-Chef gemachthatte, die freiwilligen National-Garden-Bataillone nach dem Leben schildert. (EamilleRousset 225-232.)

Die Zahl dieser Citate ließe sich leicht in die Hunderte vermehren und ich binkeineswegs gewiß daß ich mich im Augenblick gerade immer der schlagendsten er-innert hätte; das Facit aller dieser Geständnisse von französischer Seite aber ist,daß die Welt wohl kaum jemals elendere Armeen gesehen hat als diejenigen waren,welche die französische Republik während der ersten Jahre ihres Daseins in dasFeld gesendet hat.

2) Es wäre über die Nothwendigkeit einer nicht all' zu knapp bemessenen Dienst-zeit wohl noch sehr viel mehr zu sagen gewesen; besonders da nicht vergessen wer-den darf, daß die Erziehung eines Rekruten zu einem tüchtigen und zuverlässige»Krieger selbst mit der Uebung im individuellen Gebrauch der Waffe» und in derBenutzung des Geländes noch so wenig vollendet ist, als mit der flüchtigen Ein-übung einiger Handgriffe und Evolutionen.

Seltsamer Weise ist noch niemand darauf verfallen daß eine zweijährige Dienst-zeit für Artillerie und Reiterei genügen könne. Nur für die Infanterie wird siegefordert; da soll sie genügen. Und doch giebt es auf dem gesammten Gebiet derHeeres-Organisation keine wichtigere und zugleich schwierigere Aufgabe, als ebendie, eine solide, zuverlässige Infanterie zu bilden.

Man erinnere sich nur der Forderungen, denen die verschiedenen Waffengattungenauf dem Schlachtfelde zu genügen haben. Die Gefechte der Reiterei sind schwung-volle momentane Anstrengungen (elans), zu denen man die Mannschaften verhältniß-mäßig leicht fortreißt; — der Artillerist schießt sich auf Entfernungen von taufende»von Schritte» mit einem Gegner herum, für den nicht er selbst, sondern das Ge-schütz das eigentliche Ziel ist. Dagegen nun vergegenwärtige man sich die Infanteriein oft stundenlangem Feuergefecht, nicht selten aus großer Nahe. Hier auszudauern,