464 Die Reform der Heeresverfassung. (Ja». 1861.)
auch seiner bürgerlichen Existenz war, und die Sorge, sich für denKriegsdienst auszubilden, eben deshalb ihm selbst überlassen blieb,konnte er innerhalb gewisser Grenzen annähernd erreicht werden.
In unseren unermeßlich erweiterten, unberechenbar vielseitigergewordenen Verhältnissen, wo die ganze reiche Entfaltung des bür-gerlichen und gewerblichen Lebens, die gesammte Gestaltung desVolks- und Staatshaushaltes, uns zum Gesetz macht, den einzelnenWehrmann nur eine mäßige Zeit über zum Dienste im Felde ver-pflichtet zu halten, und dann wieder dem bürgerlichen Leben zuüberlassen, wird man stets — selbst da, wo allgemeine WehrpflichtPrinzip ist — sehr weit von solchen Zuständen entfernt bleiben.
Bei der Spannung, in welcher alle Staaten, mit denen mansich auf gleicher Höhe zu behaupten hat, schon seit den Tagen Lud-wigs XIV. ihre Kräfte erhalten — und da die erste Forderung derStrategie unbedingt dahin geht, die nach den Umständen mögliche,größte Masse von Streitkräften zu gleichzeitiger Wirksamkeit zubringen, — wird Preußen wohl mehr noch als jeder andere Staat,in jedem ernsten Kriege, in welchem mit großartigen Mitteln umgroße Interessen gekämpst wird, aufgefordert sein, zu wirklicher Ver-wendung aufzubieten, was es an ganz fertigen und sofort verwend-baren Kriegsmitteln überhaupt besitzt; jede Verzettelung derselben,die Bruchtheile seiner brauchbaren Streitkräste außer unmittelbarerWirksamkeit setzt, so viel als möglich zu Meiden; und für den Ersatzdadurch zu sorgen, daß die neu heranwachsende Jugend, und wasetwa von den jüngst vorhergehenden Jahrgängen derselben als „zu-rückgestellt" u. s. w. nicht in das Heer eingereiht werden konnte, mitenergischer Thätigkeit in Ersatz-Bataillonen geübt werde.
Ein Ersatz-Bataillon, das gar nicht die Bestimmung hat, alsselbstständiger Truppenkörper, als Bataillon verwendet zu werden,bedarf am wenigsten eines starken Rahmens von ausgebildeter Mann-schaft; es braucht nicht zur Hälfte und mehr aus solchen zu bestehen.Wenn es „großenteils auf Rekruten angewiesen ist," erfüllt es ebenseine Bestimmung; nur der Rekruten, nicht der alten Mannschaftwegen wird es gebildet. Es bedarf an alten Soldaten wesentlichnur Jnstructoren, und eine Anzahl Mannschaft, die hinreicht, dieDisciplin unter den Neulingen festzustellen und gehörig zu hand-haben. Wird ihm über dieses Maaß hinaus kriegswichtige geschulte