Wesen und Anfänge der Völkerwanderung. Die Föderaten.
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mchten, ja, sie mußten sogar zwei ihrer eigenen Reiche demselben unterliegen sehen. WäreByzanz vor ihren Schwertern gefallen: die Welt hätte eine völlig andere Gestalt bekommen.
Außer der germanischen Einwanderung in das römische Reich wider den Willen derRömer gab es aber auch eine solche mit deren Zustimmung, ja sogar auf ihren Wunsch.Aber gerade diese Einwanderung wardie für das Weltreich schädlichere undverderblichere; sie wies der andern dieWege, sie arbeitete ihr vor, obschon sieden entgegengesetzten Zweck hatte, undtrug das meiste dazu bei, das Reichseines römischen Charakters zu entkleiden,dasselbe zu „barbarisieren", und dadurchdem Untergänge entgegenznführen. Esschwebte somit ein tragisches Geschicküber dem eisernen Rom, dem es nichtwohl entrinnen konnte. Je weiter esseine Macht ausdehnte, erst aus Selbst-erhaltungstrieb, später aus Habsucht undHerrschbegier, um so schneller eilte esauf der abschüssigen Bahn seiner Er-oberungspolitik seinem Verhängnis ent-gegen; denn je mehr fremde Völker esin seine Legionen aufnahm, um wiederandere zu bändigen, und um das Er-oberte zu behaupten, um so mehr büßtees an seiner Eigenart ein; um so mehrwurde das römische Wesen von dem-jenigen eines bunten und charakterlosenVölkergemisches überwuchert. Das rö-mische Reich glich einem tragischen Hel-den, der durch seine Schuld trotz tapfernAnkämpfens gegen sein furchtbares Ge-schick von feindlichen Mächten, die er inseiner Verblendung selbst heraufbeschworen,umgarnt und von ihnen in die Tiefegezogen wird, in der er aus entsetzlicheWeise untergehen muß.
Jene Einwanderung von Germanenmit dem Willen der Römer erfolgte seitAnfang des dritten Jahrhunderts durchdie Aufnahme von Söldnern einer un-bedeutenden Nation, Läten genannt,in die römischen Heere, sowie ihrer Fa-milien, später sogar ganzer Stämme undVölker in die römischen Grenzdörfer, undzwar zum Zwecke ihrer Verteidigung
Durchschnitt und Grundriß des „Erdstalls" bei Olbersdorf imgroßen Manhartsberqe.
Der ursprüngliche Einfahrtsgang liegt, gegen Nord gerichtet, in einemBauernhause; er ist 80 Centim. hoch und 45 Centim. breit und führt etwa5 Meter lang steil abwärts bis zu einer wohl der Aufstellung eines Wächtersdienenden Nische. Von hier wendet sich die Richtung des Ganges gegenOsten, immer steil abwärts, mit kleinen Nischen für einzustellende Lämpchenin meterweiten Abstünden in der einen Wand. 10 Meter von der Wächter-nische entfernt, mündet der Gang in einen ovalen Raum von 2 Meter Durch-messer und 180 Centim. Höhe (Vorratskammer?), der etwa 15 Meter unterTage liegen mag. Von dem Hauptgange zweigt sich ein kurzer Gang ab, der150 Centim- hoch und 65 Centim. breit ist; in diesem ösfnet sich, 30 Centim.über dem Boden, eine Röhre von 35 — 40 Centim. Durchmesser und etwa2 Meter Länge, welche in einen zweiten ebenfalls ovalen Raum führt, derungefähr 2'/g Meter lang, 2 Meter breit und 1 ^ Meter hoch ist. An denbeiden Längsseiten dieses Raumes, der „Sitzkammer", befinden sich niedrige,30 Centim. hohe und ebenso breite Bänke und in den Wänden sind dreikleine Nischen von 15 Centim. Höhe und Breite angebracht, die zur Auf-nahme von Lämpchen, als deren Brennstoff Fett zu denken ist, dienten. Inder südwestlich gelegenen Wand der „Sitzkammer" öffnet sich ebenfalls eineRöhre, wie diejenige, welche den Zugang zu diesem Raum bildet; sie istbeträchtlich gewunden, wieder aber nur 2 Meter lang, und führt in denletzten Raum des Baues. Derselbe ist ein uach Norden gerichtetes Rechteckvon 2 Meter Länge, 140 Centim. Breite und 180 Centim. Höhe mit je zweiNischen an jeder der Längsseiten, die ungefähr 1 Meter hoch, 45 Centim.breit und 30 Centim. tief sind, und die wohl auch als Sitzplätze anzusehensind. Zur Aufstellung von Lämpchen sind zwei kleine Nischen in einer Wandangebracht. Aus jeder der drei Kammern geht von der Decke nach oben zuTage ein Lüstungsfchacht von etwa 15 Centim- Durchmesser. Solche Höhlen-bauten sind verbreitet über Österreich nach Ungarn, Baiern und Württemberg.
(Nach I. Spöttl.)
gegen die eigenen Landslcute der Auf-genommenen. Die Deutschen wurden also Militärkolonisten, deren Kriegssold in dem Ertrageder ihnen überlassenen Ländereien bestand, — eine ähnliche Einrichtung also, wie sie bis inneueste Zeit an der ungarisch-türkischen Grenze bestand. Es war dies eine Maßregel, welche sichzwar nicht auf Germanen beschränkte, sondern auch andere Völker betraf, vorzugsweise jedoch dieGermanen, weil diese jenseit der gesamten europäischen Grenzlinie des römischen Reiches zur