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Erster Band.
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Zweites Buch. I. Die Blütezeit der Klöster.

Allein mit ihrem materiellen Wohlstände begnügten sich die Klöster damaliger Zeit keines-wegs. Sie verbreiteten durch den Anbau des Landes die Kultur und setzten hierdurch abgelegeneGegenden mit zivilisierteren in Verbindung; sie gewahrten Verfolgten sichere Znfluchtstättenund vom Kriegs- oder Staatsdienste Ermüdeten oder infolge desselben Leidenden willkommeneRuhesitze; ihre Mönche erhoben die Gemüter des Volkes durch ihre Predigten oder brachtendie frohe Botschaft des Heilandes jenen heidnischen Völkern, die man ja noch vielfach in derNähe hatte. Trug dies alles schon dazu bei, die Klöster zu den gcachtctstcn und vcrchrtestenAnstalten jener Zeit zu stempeln, so ist von noch höherem Werte für die Bildung späterer Zeitendie hvcherfreuliche Thatsache, daß mehrere Abteien, namentlich im deutschen Reiche, damalsWohnstätten alles Edlen und Schönen gewesen sind und die Flamme höherer Bildung, die imrauhen Zusammentreffen wilden Trotzes und ungebändigter, die Völker erfüllender Thatenlnstnicht ruhig leuchten konnte, mit liebevoller Sorgfalt gehegt und gepflegt haben. Fast alleKlöster, von welchen dies gerühmt werden kann, gingen aus dem Orden des heiligen Bcncdikt,des Stifters der berühmtesten Anstalt dieser Art, Mvnte Cassino, hervor. Was aber dieswelsche Kloster jenseit, das war diesseit der Alpen kein anderes in so hohem Grade, wiedie bereits (oben S. 98) erwähnte irische Stiftung St. Gallen in der jetzigen östlichenSchweiz, damals znm Herzogtum Alamannien gehörig. Seit 729 aus der Einsiedelei desGallns unter Othmar (Audvmar) zu einer Abtei benediktinischer Regel erhoben, begannSt. Gallen, angeregt sowohl durch seinen Ursprung, wie durch die geistlichen Reformen Karlsdes Großen, ein Licht der Kultur auszustrahlen, das ganz Süddeutschland erhellte. Dafürerhielt das Kloster von den begüterten Nachbaren reiche und immer reichere Schenkungen anGütern und Hörigen, welche den Mönchen schließlich gestatteten, ohne alle Sorgen zu leben undzu wirken. Öthmars dritter Nachfolger, Abt Gozbert (819—897), legte den Grund zu desKlosters späterer Bedeutung durch Beschaffung einer Büchersammlnng und durch den Plan zu einerVergrößerung des Klosterbanes. Der noch jetzt im Original vorhandene, in der Ausführungfreilich aus örtlichen Gründen stark abgeänderte Plan bietet ein großartiges Bild des damaligenKlvsterlebcns dar und kann als vornehmster Typus der Klöster jener Zeit betrachtet werden. Aufvier großen Pergamentblättern (die zusammen etwa drei Viertel eines Quadratmeters messen)mit roter Tinte gezeichnet, stellt er alle einzelnen, nach damaligem Gebrauche voneinandergetrennten Gebäude des Klosterganzen dar und ist mit Erläuterungen, meist in Hexametern,versehen. Die meisten jener Gebäude sind einstöckig und zeigen die altrömische Anlage einesrechteckigen mittleren Hofraums, um welchen sich vier Flügel ziehen, die sich gegen ihn öffnen.An den Wänden des bedeckten Hofraums sind ringsum Bänke und Tische angebracht; in der Mittesteht der Herd. Darüber befindet sich im Dache eine große Öffnung, um Licht herein undden Rauch hinaus zu lassen, die aber gegen Regen und Schnee wieder mit einem auf vierPfeilern ruhenden Zeltdache bedeckt ist. Den sachlichen (nicht geometrischen) Mittelpunkt derganzen Klosteranlage, die ein Rechteck bildet, nimmt die Kirche ein, eine kreuzförmige Basilikamit zwei halbrunden Chören und vielen Altären, eine Banfvrm, die weniger fü die Erbauungeiner Gemeinde, als für die stille Andacht von Mönchen berechnet erscheint. An die Kircheschließen sich zahlreiche Nebengebäude, wie das Schreibzimmer und über demselben die Bibliothek,die Sakristei und darüber die geistliche Garderobe, ein Gebäude zur Bereitung der Hostien,das Gasthaus für fremde Mönche, die Wohnungen des Schulvorstehers und des Pförtners an.Um die Kirche verteilen sich in vier Gruppen die übrigen, von Gassen, Hecken und Mauerndurchzogenen Räume: im Süden die Klausur, rings um den Kreuzgang der Kapitelsaal, derSprcchsaal, der Wohnraum de Mönche, darüber der Schlafsaal (ckormitorinm), der Speisesaal(röksetorinm), darüber wieder die Kleiderkammer, dann in besonders kühler Lage der mit Fässernwohlgefüllte Keller, an einer Ecke abseits die Wasch- und Badestnbe und das Latrinenhans,an einer andern die Küche, weiterhin die Bäckerei, das Brauhaus, die Blühte, Küferei, Tenneund Stallung für Reitpferde, endlich die Räume für Handwerker: Walker, Gerber, Schuster,Drechsler, Eisen- und Goldschmiede, ja sogar, da die Klöster in Kriegen den Königen Mann-schaften zu stellen hatten, für Schwertfeger und Schildmacher, und diejenigen für Künstler: Holz-schnitzer, Bildhauer, Erzgießer u. s. w. Hinter dem Keller war das Gasthaus für arme Reisende