Band 
Erster Band.
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203
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Die Germanisation Holsteins und Schlesiens.

Schlesien, welches nm 1160 durch Kaiser Friedrichs I. Vermittelung eigene Fürsten ausdem polnischen Hanse der Pichten erhielt, gewann seitdem durch deutsche Ansiedler seinen jetztweit überwiegenden germanischen Charakter. Die Ansiedelung begann hier 1175 mit derGründung des Cistercienserklosters Leubus, auf dessen Gütern die deutschen Kolonistendurch den Herzog für immer iwm polnischen Rechte befreit wurden. Neue Klöster und Dörfer,später auch Städte, erstanden in Menge, die alle deutsches Recht erhielten. Ihre Bewohnerwaren twn Zoll und Kriegsdienst und von allen Frohnden, die den polnischen Bancr drücktenfrei. Unter Rudolf I. kam Schlesien endlich ganz zum Deutschen Reiche.

Aber nicht nur in diesem östlichen oder „neuen", sondern auch im westlichen, „alten"Deutschland wurde mit den bereits (S. 91 und 64) erwähnten Besudelungen fortgefahren.. Indie Zeit vom zehnten Jahrhundert an fällt namentlich die Entstehung der auf -bürg endigendenOrtsnamen, welche andeuten, daß ein Teil der abhängigen Bevölkerung sich in der Nähe einerBurg ihres Grundherrn oder einer Pfalz des Königs niederließ. Es bildeten sich Gemeinden instrengerer Absonderung ihrer Marken aus, an deren Spitze ein Schultheiß (villicmch undmehrere (sieben) Schöffen (soabini) eine Art niederer Gerichtsbarkeit in Gemeindeangelegen-hciten übten, „nicht aber das Recht, öffentliche Gerichtsversammlnngen abzuhalten und Ver-brecher znr Rechenschaft zu ziehen" besaßen.

Die jährliche Verteilung des Ackers (S. 26) bestand noch fort, wurde aber oftauf eine längere Zeit hin vorgenommen. Der Adel, der bisher auf Höfen gehaust hatte, die sichnach und nach zu Dörfern erweiterten, bereicherte sich durch den Dienst bei dem König undbaute aus dem Lohne desselben Burgen, um sich sowohl gegen innere Feinde, wie gegenEinfülle der Magyaren, Slawen und Normannen zu schützen (der Name „Burg" kommt von„Bergen"!. Ganz Deutschland überdeckte sich seit dem Ende des neunten, besonders aber imzehnten Jahrhundert mit Burgen; zu ihnen gehörten auch die Pfalzen des Königs, die sichüber alle Reichsgebiete verteilten. Diese lagen teils für sich allein, wie Grona, die Dornburgan der Saale in Thüringen, meist aber in Städten wie in Kaiserslautern, Hagenan in: Elsaß,Gelnhansen bei Kassel, Frankfurt am Main, Köln, Regensbnrg und anderen. Nächst denKönigen waren den Herzogen die zahlreichsten Burgen zu eigen, von denen mehrere, wie z. B.Scheidungen in Thüringen und die Eresbnrg im alten Sachsenland, aus altgcrmanischerZeit stammten. Diese Burgen waren weit einfacher gebaut als die jüngeren, weiter untengenauer zu beschreibenden Schlösser der sogenannten Ritterzeit; sie bestanden wohl meist nuraus einem Turme mit ummauertem Hofe und einem die Mauer umgebenden Graben. Umdiesen herum lagen die Wohnungen der Bnrgleute, welche wieder von Wall, Graben undPallisaden geschützt waren. In bergigen Landschaften baute man die Burgen mit Vorliebeauf Höhen und Felsen, in vielen Namen finden sich noch Anklänge daran. Ein Brunnenoder Cisterne, ein Verließ und eine Kapelle fehlten der Burg Wohl nie und erinnern auchheute noch an die Zeit der Fehden und des frommen Glaubens. Einen andern Zweck alsdie dem Adel znr Wohnung dienenden Burgen im Innern des Reiches hatten indes die Festen,welche an den Grenzen znr Verteidigung derselben errichtet wurden und stets von Mannschaftbesetzt waren.

Großen Burgen ähnlich waren die Städte, welche seit dem zehnten Jahrhundert eine neueBedeutung gewannen. Bis dahin gab es in Deutschland kaum andere, als die aus derRömerzeit stammenden Städte an der Rhein- und Donanlinie, sowie westlich und südlich derselben,wie Köln, Trier, Mainz, Straßbnrg, Basel, Augsburg, Regensbnrg n. a. Die Bedürfnissedes Verkehrs und Handels bewirkten sowohl bei diesen älteren Orten, wie weiter östlich undnördlich im Reiche bei Burgen und Klöstern die Anlegung von Marktplätzen, deren Be-gründung ein königliches Recht war und vom König einem Herzog, Grafen, Bischof oderKloster bewilligt wurde. Bald führte die Notwendigkeit der Verteidigung dazu, diese Markt-plätze zu befestigen, oder wo schon eine Befestigung bestand, sie in dieselbe einznbeziehen. Wirhaben bereits gesehen (S. 144), wie Klöster oft kleinen Städten glichen; durch weitere An-siedelungen bei denselben wurden sie nun wirklich zu solchen, und von der Abhaltung derMärkte bei der Kirche erhielten dieselben die Bezeichnung „ Messen . Ähnliches geschah