252 Zweites Buch. VIt. Das Zeitalter des Rittertums und des Minnedienstes.
Angebetete zu fechten, und stritten bis zur Kampfesnnfahigkeit oder Dunkelheit, selten jedvchmehr als einen Tag lang. Waren die Lanzen gebrochen, so ließ man sich von den Knappenneue geben. Mit einem Abgeworfenen, aber noch kampffähigen Gegner setzte der Siegerabsteigend das Gefecht zu Fuß mit Streitkolben oder Schwert fort. Dann wurden dieToten und Verwundeten vom Kampfplatz getragen, die Heilgebliebenen oder bloß Ge-
quetschten nahmen ein Bad, und die Sieger sandten die Unterlegenen ihren Damen zurVerfügung über das Schicksal derselben. Die verlorenen Waffen fielen nicht selten den
fahrenden Leuten zu.
Die Turniere trugen viel dazu bei, daß die Abzeichen, welche die Ritter (S. 194)auf Helm und Schild trugen, als Wappen bleibende Erkennungszeichen der Geschlechter
wurden und fortan auch auf denSiegeln der Urkunden ihre Dar-
stellung fanden.
Vor dem dreizehnten Jahr-hundert konnte jeder Freie an
einem Turnier teil nehmen, späterjedoch mir derjenige, welcher vierritterbürtige Ahnen nachwies. Esgalt als schimpflich für ein Ge-schlecht, fünfzig Jahre lang inkeinem Turniere mitgekämpft zuhaben.
Vom Turnier zu unterschei-den ist der Buhurt, ein Ritter-spiel mit ungefährlichen Waffenund ohne Rüstung, zu Ehren einerDame oder eines hohen Herrn auf-geführt, wobei nur stumpfe Speeregebrochen wurden, die wahrscheinlichnoch weniger gefährlich waren, alsdie beim Tjostieren gebrauchten.
Turniere im großen, Ver-schärfungen dieses „Vergnügens"in blutigem Ernst, aber warendie noch immer (S. 180) fort-dauernden Fehden. An diesenUnternehmungen, euphemistisch auch„Reisen" oder „Heimsuchungen"genannt, beteiligten sich sowohlehrliche Ritter aus Abenteuerlust,wie Schurken mit und ohne Rittcrnamen zum Zwecke gewissenlosester Räuberei, die so-genannten Raubritter, und zwar nur mit scharfen Waffen, gegen den ersten Besten,
Erteilung des Turuierdaukes.
Das „Herzog Heinrich von Breslau" darstellende Miniature der Heidelberger(ehemaligen Manesseschen) Liederhandschrift. Um 1300. Heidelberg, Univ.-Bibl.
Erläuterung zu den Abbildungen auf S. 253- Diese Darstellungen sind einer Wandmalerei aus dem Anfange des 14. Jahrhundertsin dem ehemaligen von Stettenschen Hause zu Augsburg entnommen; etwa fünf Meter lang; (jetzt übertüncht).
Es war ein Turnier mit Schwert und Kolben, welches am St. Lorenztag des Jahres 1416 in Augsburg auf dem Fronhof vonetwa sechszig Rittern, unter denen auch die Herzoge Ernst und Wilhelm von München kämpften, abgehalten wurde. Den ersten Preiserrang der Herzog Wilhelm, trat ihn aber an Georg Nehm, einen als Krieger berühmten Augsburger, ab.
Leider war nur der obere Teil des Wandgemäldes erhalten. Vier Ritterpaare, drei mit Kolben, eins mit Schwertern kämpfend,sind dargestellt. Das letztere Paar ist durch die Helmzierden als ein Herzog von Baiern und ein Herzog von Österreich kenntlich. Inder zweiten Gruppe unserer Abbildung ist der Vollzug einer Turnierstrafe zu sehen: einem Ritter, der gegen die Kampfgesetze gefehlt,wird mit dem Kolben das Helmkleinod abgeschlagen und der Helm selbst vom Kopse gerissen, auf dem nun die unter dem Helm getrageneBeckenhaube erscheint; die beiden Ritter, welche diese Strafe vollstrecken, sind die Kampfrichter. Stechhelm, Schwert und Kolben sindmit Ketten an den ledernen Lendner befestigt. An den Helmdecken und Ärmelausschnitten zeigen sich die ersten Anfänge der Zaddel-tracht. Der Ritter mit dem gekrönten Mohrenkopf als Helmzierde gehört dem Augsburger Geschlecht der Schorer an; an dem Helm-kleinod der Schere ist ein schwäbischer Ritter, .Haldenberg, kenntlich. Von den beiden Trompetern führt der eine das baierische, derandere das österreichische Wappen an der Trompete. (Nach Altertümer und Kunstdenkmale des baierischen Herrscherhauses.)