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Zweites Buch. Vtlt. Tie deutsche Litteraturblttte des Mittelalters.
original sind indes nur wenige, wieder Tanzdichter Nithart vonRenenthal und der HumoristTann Häuser, welcher die Überschwänglichkeiteu des Minnedienstesverhöhnt hat und ein Held derMythe geworden ist.
Noch schneller als die Epik ent-artete diese oft überschätzte Lyrik desdeutschen Mittelalters. Seit der Mittedes dreizehnten Jahrhunderts schwanddie dichterische Kraft des Adels, zu-gleich mit seinem durch K'reuzzüge,Fehden und Turniere geschmälertenReichtum, dahin. Wer noch etwasbesäst, ergab sich dem Wohllebenoder schenkte es weltmüde der Kirche,die ihm ein Asyl bot; wer nichtsmehr hatte, wurde Raubritter, Soldner oder „Pfaffe", das heisst Mönch,Chorherr oder gar dienender Klosterbrnder. Tie durch zunehmende Pracht-bauten und glanzvolle Aufzöge ver-weltlichte Kirche begegnete auf halbemWege der durch wüste Zeitereignissegenährten Weltflncht, nnd die welt-liche Dichtung rettete sich meist unterdie Bürger der Städte, wo sie indessofort zu einer gereimten nnd ge-sungenen Prosa verknöcherte. Andie Stelle der Minnesinger tratendie Meistersänger, Dichter im Schurzfell nnd im Kaufmannsrocke. Beliebter als Epiknnd Lyrik ward, selbst unter einem Teile des Adels, die Didaktik, welche die Welt überihre Pflichten belehren zn müssen glaubte. Unter ihren Trägern ragt eine r Achtung gebietendhervor, den wir nur unter seinem Dichternamen Freidank kenne». Er ist ein Zeitgenossennd naher Geistesverwandter Walthers von der Bogclwcide, gleich ihm ein Wanderer nndpalästinamüder Kreuzfahrer unter Friedrich II., ein begeisterter Kaiser- nnd Reichsfrennd, einGegner der emporstrebenden Fürsten sowohl wie des sich überhebenden Papsttums. Seine„Bescheidenheit" geißelt mit scharfen Hieben den Ablast und die mechanische Beichte, den Wuchernnd alle Laster; sein Standpunkt ist indessen nur mäßig tolerant; er bekämpft Juden, Heidennnd Ketzer, freilich ohne sie zu verdammen, weil sonst tinvel cknr: Krov^vr bar ' hätte.Mehrere andere Lehrdichter feierten die verschiedenen Tugenden. Unter ihnen ragen ein Herrvon Windsbach, genannt der „Winsbcke", und der deutsch schreibende italienische Domherrvon Aynileja, Thomas!» von Zirclaria, in seinem „wälschen Gast" ld. h. der Fremdeaus Wälschland) durch die edle Feier der Franenwürde hervor. Während des dreizehntenJahrhunderts ging mit dem Verfalle der ritterlichen Sitten derjenige der edlern Dichtungvollkommen Hand in Hand, nnd die allenthalben um sich greifende Trunksucht, sowie andereÜbel boten den Lehrdichter» am Anfange des vierzehnten Jahrhunderts Stoff genug dar.Hugo von Trimberg, der 1260 lllllll Rektor der Schule am Kvllegiatstift der Mariannd Gangolph in Thenerstadt, einer Vorstadt von Bamberg war, bekämpfte in seinem „Renner"jene Unsitten vom kirchlichen Standpunkte aus und eiferte gegen die „Lügen" der Ritterrvmane,während sein jüngerer Zeitgenosse, der Dominikaner Ulrich Boner in Bern, den hundert
Herr Nithart von Renenthal.
Aus den Miniaturen der Heidelberger (ehemaligen Manesseschen) Liederhandschrift;um 1300 . Heidelberg, Universitäts-Bibliothek