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Zweites Buch. X. Trachten und Waffen des Mittelalters.
wurde auf lauge, spitze Holzsohlen, Trippeu gesetzt (Fig. 29). Mitten vor dem Leib hing derpfriemeuförmige Dolch und die kleine Almoscutaschc (Fig. 29). Die Tracht der Frauen machteall diese Narrheiten der Zattelu, Schellen, Schnabelschuhe mit. Was dem Kleide amHalse genommen wurde, setzte man ihm an der Schleppe zu (Fig. 27 u. 86). In vornehmenKreisen trug man die Sukenie als pelzgefüttertes Übergewallt, über den sehr knappen, von derHüfte ab faltigen und langen Rock fFig. 36). Alle diese neuen Blöden kamen im fünfzehntenJahrhundert aus Burgund, und wenn man ihnen auch in Deutschland nicht so ganz rücksichts-los huldigte, wie das in Frankreich und England geschah (mit Ausnahme des südlichen Frank-reichs, wo neuerdings die Spuren origineller Formen entdeckt worden sind), so waren die Trachtendoch auch hier extravagant genug. Den Kopf deckte man mit allerlei Hauben und Wülsten(Fig. 27, 36, 31, 32, 33), auch hier nicht überall der Burgunder Sitte folgend, alles Haar zuverstecken. Immer aber blieb die Tendenz charakteristisch, den Kopf zu vergrößern, namentlich
^Renner
Dame, die Laute spielend. Reiter mit federumstecktem Hut und Armbrust.
Zwei Blätter eines höfischen Kartenspieleo des 15. Jahrhunderts. Wien.
Ein Blatt von den vier „Jungfrawen" und von den vier „Dreiern," beide mit dem Wappen des Manschen Reichs. Der „Renner"ist als reitender Bote zu verstehen; er trägt einen Sturmhnt mit einem Straußenwedel umsteckt, darunter Kugelhaube mit Schulter-kragen von langen Fransen verziert und ist mit Schwert und starker Armbrust mit Fußring bewaffnet.
in Bczng auf Breite und Höhe, wozu das 'Einflechten einer Blenge falscher Haare in dieSchcitelflechten ein bequemer Hilfsgriff war. Von den Wnlsthanben wallten reiche Schleierherab, oder sie legten sich als Riesen um Kinn und untere Gcsichtshälfte. Namentlich aberwurden steife gefältelte Hauben, deren Erhaltung nur durch Trahtgestclle möglich war, beliebt;(Fig. 33 zeigt eine noch maßvolle Form derselben!. Um die Wende des vierzehnten Jahr-hunderts trat zu der Knappheit der männlichen Tracht, deren Buntheit durch allerlei Stickereiund miparti-Tcilung (Fig. 35) an Wams und Hose gesteigert wurde, eine Öffnung des Wamsesan der Brust hinzu, welche durch farbigen Latz oder durch das fein gefältelte Hemd ausgefülltward. Dazu wurde das Wams oben und unten beschnitten, es büßte nicht nur den Schoßbis auf eine schmale Andeutung ein, sondern zeigte auch den Hals nackt bis unter die Schlüssel-beine. Diese ausfallende Tracht trugen nicht nur Jünglinge, sonder» auch alte Männer. Anden Ärmeln, welche entweder ganz kurz nur den halben Unterarm deckten oder sehr lang bisan die Fingeransätze reichten, zeigte sich bereits die Schlitznng, die im folgenden Jahrhundert