Band 
Erster Band.
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320
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Drittes Buch. II. Städteleben und Stndtebündttisse.

und Handschuhmacher, Schmiede, Sattler und Sparer, vereinigten sich oft zu einer gemeinsamenZunft, die dann häufig nach ihrem Versammlungshause oder ihrer Herberge benannt wurde, oderauch einen andern nicht vom Handwerk selbst hergenommenen Namen führte. Umgekehrt zerfielenstark vertretene Handwerke oft in mehrere Innungen, wie z. B. die Schmiede in Gold-, Eisen- undKupfer-, oder in Waffen-, Messer-, Huf-, Nagelschmiede und Schlosser und diese oft nvch weiter,z. B. die Waffenschmiede in Helm-, Schild- und Harnischmacher und Schwertfeger. Die Teilung derArbeit ging so weit, daß sich oft der einzelne Handwerker nur mit einer ganz bestimmten Hantie-rung beschäftigte. Andre Arbeiter, die sich nicht geltend zu machen wußten, gehörten den Zünftennicht an; während hinwieder die höheren Stände, Adlige und Kaufleute, besondere Zünfte oder über,und später neben denselben stehende Gesellschaften bildeten. In Straßburg vermehrten sich dieZünfte von nenn im dreizehnten Jahrhundert auf 28 im vierzehnten; in München von sechs im

dreizehnten auf 24 iinfünfzchn-ten Jahrhundert. Sehr häufigpfuschten die Zünfte einanderins Handwerk, z.B.die Schuster,wenn sie ihrLeder selbst g erbten,den Gerbern, was dann vieleHändel und Unruhen verur-sachte. Betrügerische Hand-werker wurden von ihren Zünf-ten ansgestoßen und oft ausder Stadt vertrieben. Auch dieSitten der Mitglieder wurdenüberwacht und Fehlende be-straft; Arme und Kranke da-gegen, svwieihre Familien wur-den unterstützt und verpflegt.Wie an der Spitze der Städtedie Bürgermeister, so standenden Zünften die Zunft- oderGildemeister vor. Sie wur-den oft außerhalb des Hand-werks aus den Geschlechtern ge-nommen, übten großen Einflußaus und traten nicht selten andie Spitze aufständischer Be-wegungen, deren Ziel meist da-hin ging, daß der bisher sichselbst ergänzende Rat durchdie Zünfte erwählt werde.

Wo immer das städtische Wesen sich charakteristisch ausgestaltete, da wuchs auch dieBildung unter den Bürgern, und zwar in so hohem Grade, daß sie sich gegen das Ende desMittelalters, das heißt im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert, weit über die Bildungder gesunkenen Stände des Adels und Klerus erhob, was nicht wenig zu den Erfolgen derReformation beitrug. Auch die erwähnten Erinnerungen an das alte Rom lebten besondersstark in den Städten fort, in deren engen Straßen, vor deren festungsgleichen Patrizier- undRathäusern und um deren kolossale Thortürme sich die altrömischen Kämpfe zwischen Patriziernund Plebejern leider oft genug wiederholten. Allerdings konnte dies nur in einem Teile derStädte geschehen; denn viele waren seit Friedrich II. verpfändet und hierdurch zu den Gebieteneifersüchtiger Landesherren geschlagen worden. Die Städte, welche von diesem Schicksal ver-schont blieben, hießen von da ab Reichsstädte, sie waren kleine Staaten für sich, hattennur den König zum Richter und besaßen oft auch Landgebiete.

Der kiitker vom Turn.

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„Ehelicher Unfriede".' Interieur eines Bürgerhauses irn 15. Jahrhundert.Holzschnitt in „Der Ritter vom Turn. Oder der Spiegel der Tugent vnd Ersamkeyt mitgar schönen vnd köstlichen hystorien Exemplen zu vnd wisung syner kynd."Straßburg 1493. Gedruckt bei Joh. Knoblauch.