Die Hansa und die Vitalienbrüder.
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die andere. So namentlich im Anfange der der sogenannten Kalmarischen Union (1397) vor-ausgegangenen Wirren, wo die Hansa die Ansprüche der Mecklenburger auf Schweden unter-stützte. Zu dieser Zeit (1391) stellten die mecklenburgischen Herzöge den Vitalienbrudern dieAufgabe, das von den Dänen belagerte Stockholm mit Lebensmitteln zu versorgen, woher siedann ihren Namen erhielten. — Leider wissen wir über ihr Leben unter sich und ihre Orga-nisation fast nichts, auch ist wenig über ihre Heimat bekannt; jedenfalls waren besonders vieleMecklenburger unter ihnen. Wir^finden bei ihnen manchen später hochberühmten Namen, wieMvltke, Mantenffel und andere. Endlich wurden die Vitalienbrüder so übermütig, daß siealle Schiffe, außer den mecklenburgischen, angriffen und den heuchlerischen Wahlsprnch an-nahmen: „Gottes Freunde undaller Welt Feinde". Da ge-lang es im Jahre 1391 denwackeren Stralsundern, denRäubern einen schweren Schlagbeizubringen; sie schloffen dieGefangenen in Tonnen ein,führten sie nach Hanse und rich-teten sie dort. Das schreckte aberdie übrigen nicht, welche baldwieder allein die See be-herrschten. Da die Schiffseignersich nicht mehr anders als ingrößeren Flotten auf das Meerwagten, so unterlagen die Küsten-gebiete im gesamten Umkreisedes Baltischen Meeres und derNordsee der scheußlichste» Plün-derung und Verheerung. PapstBonifaz IX. schlenderte denBann gegen die Vitalienbrüder,aber erst nachdem sie einenschwedischen Bischof ausgeraubtund eingekerkert hatten; seineSchwäche, ihnen gegen Spendenan die Kirche Lossprechnng zuverheißen, erntete nur schnödeZurückweisung. Nicht alle Glie-der der Bande waren indessenRaub- und Mordgesellen; vielebeschränkten sich auf ehrlichenKrieg und manche riefen sogar fromme Stiftungen ins Leben. — Erst im Jahre 1397, gelanges der Hansa, einen Vergleich zu vermitteln, welcher dem im Jahre 1389 von der Unions-königin Margarete gefangen genommenen König Albrecht von Schweden, einem mecklenburgischenHerzog, die Freiheit gab und das Ende des Krieges herbeiführte. Nun war ein energischesVorgehen Dänemarks und mehr noch der Hansa gegen die Vitalianer möglich; Mecklenburgverließ sie und sie zerstreuten sich nun über den Atlantischen Ozean und andere Meere, jen-seits deren sie fabelhafte Länder und Völker gesehen haben wollten. Längere Zeit fanden sieunter dem berüchtigten Störte beker Zuflucht in dem noch nach altgermanischer Weise staat-lich unausgebildeten Ostfriesland, dessen wilde Häuptlinge, in grausamen Fehden unter sichlebend, sie aufnahmen und beschützten. Ein anderer ihrer Schlupfwinkel war Gotland, dieWiege der Hansa, bis im Jahre 1398 eine Flotte des Deutschen Ordens, unter dem Hoch-meister Konrad von Inngingen, die Räuber dort vernichtete. Die Hanseaten nahmen dann
Schiff aus dem 15. Jahrhundert.
Faksimile des Kupferstiches von Israel van Meckenem (ch 1503).