Landsknechte mit Büchsen.
Faksimile eines Holzschnittes in Hans Burgkmairs Triumphzug Maximilians I.
tung und vervollkommnete Einrichtung erfahren. Es waren in Deutschland namentlich dieStädte, welche viele und riesige Kanonen und Mörser gießen ließen, die ihre oft komischenNamen hatten, wie z. B. die „faule Mette," die „scharfe Grete." Mit solchen Geschützenvernichtete Hamburg die Vitalienbrüder; Nürnberg machte sich damit den Fürsten eben-bürtig. Die erste, Arkelei genannte Artillerie war sehr schwerfällig. Die NürnbergerKanone „ Kriemhild" brauchte im Jahre 1388 zu ihrer Bedienung nicht weniger als zehnWagen und 56 Pferde. Ein Straßburger Geschütz war achtzehn Fuß lang. Man sagte da-mals: „Der Venediger Macht, der Angsbnrger Pracht, der Nürnberger Witz, der Straß-bnrger Geschütz, der Ulmer Geld regieren die Welt." Noch kolossaler wurden die Geschütze zuAnfang des sechzehnten Jahrhunderts. Die „scharfe Metze" schleuderte zentnerschwere Eisen-kugeln, zu ihrer Fortbewegung waren aber 163 Pferde nötig. Andere berühmte Geschützewaren die Siegerin, die Nachtigall, die Notschlangen, der wilde Mann, Ochse, Affe u. f. w.zubenannt. Herzog Albrecht von Sachsen zahlte im Jahre 1486 für fünf Schlangenbüchsen566 Gulden (3177 heutige Mark).
Beinahe schien es, als ob die stets reicher werdenden Städte den durch Aufwand undFehden verarmenden Fürsten und Edeln den Rang ablaufen wollten. Sie sympathisiertenoffen mit den Schweizern, von denen tausend in die Dienste Nürnbergs traten; sie erneuertenim Jahre 1446 den schwäbisch-fränkischen Bund; fast konnte man in der damaligen GestaltungDeutschlands eine republikanische statt der monarchischen vermuten. Es kam 1449 zu einemeigentlichen Vertilgnngskrieg zwischen Adel und Städten, der Dorf, Feld und Wald verheerteund namentlich Nürnberg großen Schaden that; von 22 Fürsten, 38 Grafen und Herren undetwa 3666 Rittern hatte diese Seele des Städtebundes „Absagen" erhalten; nur etwa dreißigStädte standen auf ihrer Seite, aber das heldenmütig sich wehrende Nürnberg ließ sich vonseinen Feinden nicht bezwingen. Während dieser Belagerung waren die Bauern der Umgegend,etwa zehntausend Köpfe, in die das doppelte zählende Stadt aufgenommen worden undkonnten bequem darin leben: ein Beweis, wie wenig dicht zusammengedrängt die Bevölkerungeiner Stadt damals wohnte. Auch erhellt aus dem Umstände, daß der Stadt Ritter alsHauptlcnte dienten, wie wenig die Abneigung der Stände in Betracht kam, wenn das Interessemitsprach. Die Streitmacht Nürnbergs betrug 466 Reiter und 4666 Fußgänger, welche inArmbrustfchützen, Büchsenschützen und Spießträger zerfielen. Ein weitläufiges und wohldurch-