Beilage zu Seite 3 so:
Erläuternng ru: Typen der ältesten Arlilleric.
No. z. Aus einer Handschrift der königl. Hof- und Staatsbibliothek zu München, nm Z29»—lHW.
Die Bilder derselben sind von der Hand eines Büchsenmeisters »nd teilweise mit erläuterndenUnterschriften versehe». Die Geschütze sind, wie aus der Farbe der Bilder hervorgeht, vonEisen und mit eisernen Bändern auf Holzunterlagen befestigt. Das als No. l abgebildete hatein verstärktes Mundstück und scheint, nach dem Verhältnis seiner Größe zu der des Manneszu schließen, ein leichtes Feldgeschütz zu sein. Die Unterschrift dieses Bildes empfiehlt Vorsichtbeim Schießen, „wenn Du ein püchsen wilt beschissen," sagt sie, so solle man sich nicht un-mittelbar hinter oder neben das Rohr stellen, sondern zehn bis zwanzig Schritt über Eck hinterdie Büchse, zur Sicherheit für den Fall, daß das Geschütz vom Schusse zersprengt werden sollte.Beim Laden stellte man das Rohr senkrecht; zwischen Pulver und Kugel wurde ein Holzklotz mitdem Schlägel eingetrieben; die Steinkugeln wurden in eingefettete Lappen gehüllt.
No. 2. Aus derselben Handschrift. Diese Abbildung zeigt, wie man ein Geschützrohr auf seine Festigkeitprüfte: es wurde mit Pulver gefüllt, die Mündung mit einem Holzklotz fest verschlossen, dasRohr sodann senkreckt auf die Mündung gestellt und die Ladung dann entzündet; die Büchsemußte dabei in die Höhe fliegen: „vnd welche püchsen also bestet, die ist sicher gut," sagt derBüchsenmeister in der Unterschrift.
No. 2. Aus einer Handschrift der königl. Universitäts-Bibliothek zu Göttingen vom Jahre z^os. GroßeSteinbüchse, welche Kugeln von etwa t ^2 Fuß Durchmesser schleudern dürfte Über derselbe» istei» Schutzdach errichtet, eine Art Hütte, welche, wie die Unterschrift angiebt, Schutz gegen diefeindlichen Pfeile bieten sollte: es geht daraus hervor, daß das Geschütz nur geringe Tragweitehat und der belagerten Mauer sehr nahe liegen muß.
No. 4,. Aus derselben Handschrift. Eine eigenartige, durch eine Gabel gestützte Büchse, die sich schonder Handfeuerwaffe nähert, vielleicht eine sogenannte „Klotzbüchse".
No. 5 . Die „faule Mette", welche im Jahre in Braunschweig gegossen wurde. (Nach einer Ab-bildung vom Jahre t 728 ; das Stück ist jetzt nicht mehr vorhanden.) Das Geschütz sollZentner, die Kugel 6 Zentner, die Pulverladung S2 Pfund gewogen haben; als Tragweite sind2200 Schritt angegeben; Rohrlänge ungefähr zo'/z Fuß.
No. 6 . Eiserne Kammerschlange im Museum zu Danzig; aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Die Pulver-kammer war für sich besonders anzusetzen; ohne dieselbe mißt das Rohr das 3Zfache seinesKalibers.
No. 7. Schmiedeeiserne Steinbüchse; im Jeughause zu Basel. 2 Meter lang. Aus dein ersten Dritteldes zs. Jahrhunderts.
No. 8. 9. Aus einer Handschrist der königl. Hof- und Staatsbibliothek zu München. Feldgeschütze umZH 70 —lH 8 v. No. 8 ein leichteres Rohr auf einem zweirädcrigen Karren mit Doppeldeichsel.No. A ein schwereres Rohr auf einer zweiräderigen Lafette; letztere wurde, wie die Abbildung zeigt,auf dem Marsche auf ein mit einer Deichsel versehenes Räderpaar aufgeprotzt und dadurch dasFortschaffen wesentlich erleichtert. Beide Geschütze haben Richthörner.
(Nach lLfsenweiii, Muetten zur Geschichte der Feuerwaffen.)