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Erster Band.
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Drittes Buch. V. Handel und Wandel.

der schon seit Anfang des dreizehnten Jahrhunderts in Europa allmählich in Gebrauch ge-kommenen sog. arabischen (in Wahrheit indischen) statt der römischen Zahlzeichen kam demHandel zu statten. Viel gequält wurden die Meßgäste durch Zölle und andere Abgaben.Dafür entschädigte die Meßfreiheit, bei der mehr erlaubt war als in gewöhnlichen Zeiten;sogar die Reichsacht wurde während der Meßzeit oft aufgehoben. Solche Freiheiten und Ver-günstigungen wurden allerdings durch lästiges fahrendes Volk, lüderliche Dirnen, Spielhöllen,Diebe, Betrüger und Hochstapler ausgenutzt und mißbraucht.

Diese Entwickelung des Verkehrs bedingte notwendig Verbesserungen im Bauwesen derStädte. Langsam traten seit dem dreizehnten Jahrhundert, schon aus Anlaß der häufigen Brande,steinerne Häuser an Stelle der aus Holz gezimmerten. In der Mitte des vierzehnten Jahr-hunderts bildeten erstere bereits die große Mehrheit. Aus eingeschlossenen Höfen wurden nunoffene Durchgänge und wirkliche Straßen, freilich mit einer Planlosigkeit, die noch jetzt in altenStadtteilen zum Staunen über wahrhaft kunstvolle Winkelzüge der Gassen zwingt; nach undnach erhielten die Straßen auch Pflasterung und bei Festen, Einzügen und sonst bei gesteigertemVerkehr Beleuchtung durch Pechfackeln.

Auch die echt menschliche Seite des Lebens kam zur Geltung.

Es bildeten sich, nicht zum wenigsten in den Gasthäusern, gesellige Vereinigungen, dienicht nur einen materiellen, sondern sehr oft auch einen hohen moralischen und sozialen Zweckhatten. In den Städten des späteren Mittelalters entwickelte sich nämlich ein allezeit opfer-bereiter Sinn für das Unglück und dessen Milderung, in welchem sich das deutsche Gemüt undder Geist des Christentums miteinander verbanden. Die Staatskasse hatte wenig oder keinelaufenden Ausgaben für Kirchen-, Schul- und Armenzwccke; all dies leisteten die Bürger undihre Gesellschaften freiwillig, und die Fürsten mußten ihrem Beispiele nachfolgen. Wie frühervon den Klöstern, so wurden jetzt von den Städten, namentlich veranlaßt durch die verheerendenSeuchen des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, Hospitäler, sogenannte Seelen-,Siechen-, oder Prestenhäuser errichtet und mit reichen Schenkungen begabt. Die grauenhafteSitte, die „Aussätzigen" unter einer Art von Leichengeleite aus den Städten zu führen und inHütten einzusperren, wo sie ihrem Schicksal überlassen wurden, hörte demzufolge auf. Altersasyle(Pfründehänser) für arbeitsunfähige Bürger und Bürgerinnen, die bald mit den Spitälern ver-bunden, bald von ihnen getrennt waren, und in die man sich einkaufen konnte, entstanden;Finde!- und Waisenhäuser und andere Anstalten wurden von einzelnen Personen und Familien,Korporationen und Innungen gegründet. Daneben wuchs die Zahl der öffentlichen Bäder,namentlich seit den Kreuzzügen nach dem Beispiele des Morgenlandes, und für die Armenwurden besondere unentgeltliche, sogenannte Seelbüder gestiftet.

Neben den Bädern der Städte entwickelten sich aber auch die eigentlichen Badeortemit Thermal-, Salz-, Eisen- und anderen Quellen. Einer der berühmtesten jener Zeit warBaden im Aargau (etwa 20 trm von Zürich). Wenn jemand nach dort zur Kur reiste,war es gebräuchlich, ihm ein Geschenk mitzugeben; der Bürgermeister erhielt es von der Stadt,der Pfarrer von seiner Gemeinde, der Zunftmeister von seiner Zunft, der Lehrer von derSchule, andere von ihren Verwandten und Bekannten; dafür waren besonders Pokale, Wein,Ochsen, Pferde oder Rüstungen beliebt, Geld jedoch war dabei ausgeschlossen. Kehrte derBeschenkte zurück, so lud er die Geber zu einem Abendtrunke. Der italienische Gelehrte PoggivBracciolini aus Florenz (1380—1459) besuchte Baden vom Konstanzer Konzil aus und stelltedie geselligen Freuden des Ortes über jene der Bäder des Altertums. Es gab damals dreißigBäder dort. In dem. für die Armen bestimmten badeten Männer und Frauen, Mönche undNonnen nicht ausgenommen, Knaben und Mädchen ohne alle Verhüllung miteinander. In denvornehmeren Bädern wurden die für beide Geschlechter bestimmten Räume durch Scheidewändegetrennt, die aber mit Fensterchen versehen waren. Es gab sogar Galerien für Zuschauer. ImWasser speiste man an schwimmenden Tischchen, trank, sang und musizierte. Poggio rühmtindessen den Anstand, der zwischen den Badenden beobachtet wurde. Dagegen wird auch urkund-lich berichtet, daß vornehme Herren, Äbte und Äbtissinnen ihre Klöster durch den mit Bade-kuren verbundenen Aufwand zu Grunde richteten.