454 Drittes Buch. VIII. Schrifttum und Kunst am Ende des Mittelalters.
Bau begriffen gewesen und doch znm Teil unvollendet geblieben sind, zu Magdeburg, Halberstadt,Straßburg, Freiburg, Ulm, Bern, Regensburg, die Frauenkirchen in Nürnberg und Würzburg,beide an der Stelle während der Judenbrände zerstörter Synagogen, und der imposante Stephans-dom der österreichischen Hauptstadt. Verflacht und gekünstelt zeigt sich die deutsche Gotik indem unter Karl IV. zu Prag erbauten Dom von St. Veit. In den Ländern des Ziegelbanesgehören die großartige Marienbnrg des deutschen Ordens (S. 473) und zahlreiche Rathäuserund Stadtthore (S. 313, 314, 316) dieser Kunstperiode an.
Mit derselben verband sich allmählich eine erhöhte und erweiterte Lebensanschaunng,für welche das Hervortreten des Individualismus in bedeutenden Baumeistern, die sich ausden Banhütten abheben, charakteristisch ist; Peter Arler, der Architekt Kaiser Karls IV.in Prag, Hans von Burghausen in Landshut, Konrad Roritzer in Regensburg und seinSohn Matthäus, Ulrich Ensinger aus Ulm, dessen Sohn Matthäus, waren Künstler vonhervorragender Eigenart während der deutschen Periode der Gotik. Den Übergang von der-selben zu der „Renaissance" bilden die sächsischen Bauten an der Wende des fünfzehntenund sechzehnten Jahrhunderts, wie der Dom in Freiberg, die Kirche zu Annaberg und dieAlbrcchtsburg in Meißen.
Während der Herrschaft der Gotik im Reiche der Baukunst war der letzteren die Plastikvollständig Unterthan. Durch die geringe Wandentfaltung der gotischen Dome wurden der Ver-wendung plastischer Bildwerke enge Grenzen gesetzt; der Spitzbogen zwang sie, „sich zu duckenund zu bücken, um überhaupt Platz zu finden".
Die Bildsäulen des vierzehnten Jahrhunderts erscheinen daher vielfach in gebeugter undgewundener Stellung, die indessen, wie auch der empfindsame Ausdruck der Köpfe, charakteristischmit der ganzen Zeitrichtung übereinstimmt. Künstlerisch bedeuten sie einen bedauerlichen Rück-schritt gegenüber den kraftvollen Statuen des dreizehnten Jahrhunderts; der Faltenwurf erscheintbeinahe als die Hauptsache bei diesen streng verhüllten Jammergestalten, die durchaus zu dertraurigen Zeit der Judenmorde, des Schwarzen Todes und der Geißclbrüder passen. Dagegenist anzuerkennen, daß ihre Mienen mehr inneres Leben ausdrücken, als ihre kalten und stolzenVorgänger. Hervorragende Beispiele der plastischen Kunst dieser Zeit sind die scelenvollenStatuen der klugen und thörichten Jungfrauen am Portale des Münsters von Freiburg imBreisgau, die Reliefs am Münsterportal von Straßburg, die Christus-, Maria- und Apostel-bilder im Kölner Donie, die Reiterstatue des heiligen Georg in Prag, die Jüngsten Gerichtevon St. Lorenz und St. Sobald in Nürnberg, die charaktervolle Statue Karls IV. in Berlinlaus Nürnberg stammend). Auch eine Menge Grabmäler und Schuitzaltäre gehören dieserPeriode an.
Kaufmann.
Gruppen aus dem Baseler Totentanz von 14 - 10 .
Äbtissin.