Die Deutschen in Ungarn, Böhmen, Polen.
475
Bürgerstand Ungarns machten damals, wie noch lange, vorwiegend Deutsche aus und dieStadt Ofen nahm deutsches Recht an.
Sogar in Polen fanden durch deutsche Kaufleute und deutsche Handwerker Stadt-rechte und Gemeindeverfassungen ihres Vaterlandes Eingang. In Krakau war am Endedes dreizehnten Jahrhunderts die Bevölkerung zum größten Teile deutsch. Aber bald verbandensich Adel und Geistlichkeit zur Unterdrückung des Deutschtums, und diese Reaktion siegte 1386mit dem Aufkommen der deutschfeindlichen Littauer (Jagjellonen). In Skandinavien und Ruß-land hatte die Hansa (S. 327) viel deutsches Wesen verbreitet, das aber mit dem Sinkender Bedeutung des Bundes und durch das Erwachen des Nationalbewußtseins jener Völkerverschwand. Von weiterem Vordringen im Osten wurde das Deutschtum zurückgewiesen.Iwan III. Wassiljewitsch unterwarf im Jahre 1494 das einst mächtige Nowgorod der Knute,und mit der Freiheit dieser Stadt wurde auch der deutsche Handel derselben vernichtet.
Um die Zeit der Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Indien unternahmenmanche kühne deutsche Kaufleute weite Seereisen nach Osten und Westen.
Der Nürnberger Martin Behaim, Schüler des Regiomontanus (S. 433), drangim Dienste Portugals bis zum Kongo vor und fertigte den ersten Erdglobus; Himmelsglobengab es schon früher. Aber ver-geblich war der Anlauf, in derneuen Welt dauerndes Glück zuerringen. Kaiser Karl V. ver-pfändete den Weisern in Augs-burg, die an Reichtum mit denFuggern wetteiferten, im Jahre1528 das Land Venezuela („Klein-Venedig") in Südamerika. Einhalbes Tausend Deutsche mit einemhalben Hundert Bergleute wagtenznr Befriedigung ihres Gold-durstes mit den spanischen Con-quistadoren in Wettbewerb zutreten. Aber letztere gönnten ihnenihren Anteil am Raube nicht, undder deutsche Versuch strich vor derspanischen Habsucht die Segel. EinDeutscher, der den Humanistennahe stehende Martin Waltzemülleraus Freiburg war es, der inseiner Einleitung zu einer Kosmo-graphie den Namen „Amerika"für die westliche Erdhälfte vor-schlug und damit leider demColumbus den wohlverdientenRuhm der Namengebung raubte.
Allerdings mag er dem Groß-sprecher Amerigo Vespncci, dersich für den Entdecker ausgab,als Herausgeber seiner Berichte
in guten Treuen geglaubt haben.
Schiff aus dem 15. Jahrhundert.Faksimile eines anonymen Kupferstiches. (S. 32S f.>