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Drittes Buch. X. Sitten und Gewerbe am Ende des Mittelalters.
räume künstlerisch zu schmücken. Alle Stände aber, ob nun ihr Hanswesen glänzend oderbescheiden war, wurden in gleichem Maße durch die welterschütternden Ereignisse am Anfangedes sechzehnten Jahrhunderts, die wir nun zu schildern haben, in Mitleidenschaft gezogen.
Dieser Katastrophe hätte vielleicht eine andere Entwickelung der Verhältnisse des Reichesvorbeugen oder sie wenigstens in solche Bahnen leiten können, mit welchen sich das deutscheVolk nach und nach befriedigen konnte. Eine so erfreuende, die Einheit sowohl als die Frei-heit befördernde Reichsgestaltung war Deutschland indes leider nicht beschiedcn. Es hatte dieschönsten, die berückendsten Hoffnungen an die von seinem allgemein verehrten Kaiser Max(S. 422 u. 465) angebahnten Reformen geknüpft; aber sie wurden bitter und grausam getäuscht.Der Kaiser, mehr Habsburger als Deutscher, brachte dem reichen Gemüte seines Volkes nichtvolles Verständnis entgegen. Er hatte im Jahre 1591 dem Reichskammergerichte gleichsamein Gegengewicht gegeben, in dem „Reichshofrat", der seinen Sitz in der „Kaiserstadt" Wienhatte. Die Geschäftskreise beider Behörden waren nicht genau bestimmt worden, und so kam es,daß aus dem Reichshofrat ein Organ der Kabinettsjustiz wurde, dessen Machtstreit mit demKammergericht der Gerechtigkeit nicht zum Vorteil gereichte. Die im Jahre 1495 auf demWormser Reichstage beschlossene Reichssteuer wurde schon 1500 vom Kaiser wieder aufgegebenund nur noch von den Geistlichen, Dienstleuten und Juden, die von der Waffenführung aus-geschlossen waren, eingezogen. Nur mit Mühe und Not war es möglich, von den „Ständen"Geld und Mannschaft zur Verteidigung gegen den türkischen Erbfeind zu erlangen. DieFürsten und Herren wollten gar nichts zahlen; sie suchten alles den Städten aufzuladen, derenBürger darob erbittert wurden und an Auswanderung dachten. Niemand kümmerte sich mehrum den Reichstag. Ja die Fürsten machten auf dem Reichstag zu Augsburg im Jahre 1500den Versuch, durch den Entwurf eines „Reichsregimentes" den Kaiser geradezu zu bevormunden.Auch der auftretende Versuch am nämlichen Reichstage, das Reich einheitlich in sechs Kreiseeinzuteilen (S. 471), aus denen im Jahre 1512 zehn wurden, blieb eine Form; er wurdeviel mehr eine Stütze der Zersplitterung, als ein Mittel zur Einheit.
So stand das ehrwürdige Reich der Ottonen, Salier und Staufer am Anfange dersogenannten neueren Zeit als ein in übermächtige Fürstentümer und ohnmächtige Städte undHerrschaften zerfallenes Gebiet da.
Werkstätte eines Goldschmiedes im 15. Jahrhundert.Faksimile eines Kupferstiches vom sogen. „Meister der LiebeSgürteu".
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