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Zweiter Band.
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32 Viertes Buch. III. Kunst und Litteratur der Reformationszeit.

1440—1533) war längere Zeit in Krakau thätig und führte dort bedeutende kirchliche Werkeaus; nach seiner Rückkehr schuf er in Nürnberg die unter dem Namen des „Rosenkranzes"bekannte Reihe von Scenen aus der Geschichte Jesu und der Heiligen und eine ähnliche ausdem Leben Marias, welche „der englische Gruß" genannt wird. In der Geschichte leidet seineGestalt darunter, daß er sich in Händel verwickelte, die seinem Charakter keine Ehre machen,und infolge deren er öffentlich die Strafe der Brandmarkung erleiden mußte, die der Henkeran ihm vollstreckte, indem er ihm beide Backen mit glühenden Eisen durchbohrte. Adam Kraftder Jüngere (um 1453—1507) ist der Schöpfer der in Sandstein gehauenen Stationen desLeidensweges Christi, des Schreyerschcn Grabmales an der Scbalduskirche, des steinernenSakramentshauses in der Lorenzkirche und mehrerer schöner Grabmäler. Beide werden weitüberragt von der Bedeutung Peter Wischers (145?—1529), dessen Bronzegüsse die deutscheWelt erfüllten und über sie hinausgingen. Seine Statuette an seinem bedeutendsten Werke, demvon den typisch gewordenen Apostelfiguren umgebenen Sebaldusgrabe, zeigt den Meister als„eine kräftige Gestalt mit vollbärtigem Gesicht von offenen, freundlichen Zügen, hochgewölbterBrust und breiten Schultern". Unter den von ihn: gegossenen Grabmälern ragt das des Erz-bischofs Ernst von Magdeburg hervor und von seinen Statuen zwei der Standbilder, welchedas Monument des Kaisers Maximilian I. in der Hofkirche zu Innsbruck, an dessen Aus-führung Peter Bischer beteiligt war, umgeben. Auch seine Söhne Peter und Hans schufen be-deutende Werke in dieser Kunst. Hans vollendete das vom Vater begonnene Doppelgrabmal derKurfürsten Johann Cicero und Joachim I. im Dom zu Berlin. Tilman Riemenschneider ausOsterode am Harz (um 1463—1531) war ein an Bildung wie Charakter gleich vortrefflicherMann der zum Mitglied des unteren wie des oberen Rates der Stadt und im Jahre 1520 sogarzum ersten Bürgermeister von Nürnberg gewählt wurde. Die mehr als lebensgroßen Stein-figuren von Adam und Eva an der Marienkapelle in Würzburg, die ersten großen nackten Statuender deutschen Renaissance, sind seine Werke, keusch und naturgetreu zugleich. Auch seine Ma-donna in der Ncumünsterkirche ist fein empfunden. Riemenschneiders Meisterwerk aber ist dasGrabmal Heinrichs II. und Kunigundens im Bamberger Dom. Einen bedeutenden Bildschnitzerbrachte Tirol in Michael Pacher aus Bruneck (f 1498) hervor, der in schönen Altarwcrkensich auszeichnete. Im Norden wirkte auf diesem Gebiete Hans Brüggemann, der währendder Jahre 1515—1521 für die Klosterkirche zu Bordesholm den jetzt im Dom zu Schleswigbefindlichen Schnitzaltar ausführte, welcher zu den schönsten Altarwerkcn Deutschlands zählt.

Der Rückgang des katholischen Kultus infolge der Reformation führte auch zu einemSinken der fast durchweg von der Kirche sich nährenden Plastik. Unabhängiger in dieser Be-ziehung war die Malerei. Gerade im sechzehnten Jahrhundert errang dieselbe auf deutschemBoden so große Erfolge, als es von einem Schauplatz, dem nicht der sonnige Himmel desSüdens lacht, nur immer zu erhoffen war. Mit dem ganzen deutschen Wesen stand es imEinklänge, daß der Charakter der damaligen Schöpfungen deutscher Maler kein rein ästhetischer,sondern mehr ein ethisch-religiöser war, daß ernste, forschende Vertiefung ihr in höherem Gradezu eigen war, als das Wohlgefallen am Schönen. Die nämlichen Ursachen erhoben, wie fürdie Plastik, so auch für die Malerei, Nürnberg zum Hanptsitze der deutschen Kunst. InMichael Wohlgemut ehrte seinen Meister ein Größerer, Albrecht Dürer (1471 —1528),Sohn eines Goldschmieds. In ihm vereinigte sich die dem Norden eigentümliche Phantastik,der es an idealer Gestaltung des Wirklichen fehlte, mit lebens- und charaktervoller, kräftigerund gemütreicher Manier und auch mit den ersten Zeugnissen tieferer Auffassung der land-schaftlichen Darstellung. Eine schaurig ins Mark dringende nordische Märchenluft durchweht seineBilder zur Apokalypse, die Personifikation der Melancholie, den Ritter, der furchtlos mit Todund Teufel reitet. In der großen Reihe seiner Passionsbilder und den Scenen aus dem LebenMarias, sowie in „Adam und Eva" ringt er sich zu höherer idealer Auffassung empor. Er ist es,der in der „Ehrenpforte" und den beiden „Triumphwagen" Kaiser Maximilians den verworrenenGedanken der litterarischen Umgebung des Herrschers Leben eingehaucht hat. Seine in Lebens-größe gemalten vier Apostel bilden mit den beigefügten Bibelsprüchen ein Bekenntnis seinerprotestantischen Überzeugung und bekunden zugleich den Zenith seiner Meisterschaft. Albrecht