34 Viertes Buch. III. Kunst und Litteratur der Reformationszeit.
bekannte Hans Sueß bemerkenswert; unter den jüngeren traten Heinrich Aldegrever, GeorgPenz und die Bruder Barthel und Hans Sebald Beham hervor. Die vier Letzteren machendie Gruppe der sogenannten Kleinmeister aus, denen wir zahlreiche, in Kupferstich und Holz-schnitt ausgeführte, wertvolle Darstellungen aus dem Volksleben ihrer Zeit verdanken (S. 28,38, 39, 42 u. I. S. 479). Penz und die Behams gehörten zu den religiös Radikalen derReformationszeit und wurden deshalb im Jahre 1524, nachdem sie einem Peinlichen Verhöreunterworfen worden waren, aus Nürnberg verbannt.
Neben Nürnberg blühte die Malerei auch in anderen Städten auf; in Mainz und Aschaffen-burg wirkte Mathias Grünewald. Er ist der erste deutscht Maler, welcher die rein malerischenMittel der Farbe, der Verteilung von Licht und Schatten und des Helldunkels zur ausdrucks-volleren Darstellung der Vorwürfe seiner Gemälde anwendet. Er geht allenthalben auf malerischgeschlossene Gesamtwirkung aus; die Farbe ist ihm das Mittel „das Phantastische phantasievoller,den Zauber dämonischer Mächte greifsamer, die Poesie der Landschaft mächtiger wirksam er-scheinen zu lassen", aber auch, um „die Sprache eines schroffen Naturalismus noch eindring-licher zu machen": denn wie er Bilder malte, die der Duft des reinsten Idylls umschwebt, sofolgte er auch einem derb naturalistischen Hang bis zum Abstoßenden. Gemildert und poetischererscheint diese Richtung in Dürers Schüler Hans Baldung genannt Grün aus Straßburg (um1477—1545), der eine bedeutsame Stellung unter den Malern des sechzehnten Jahrhundertsam Oberrhein einnimmt. Große Gestaltungskraft, eine reiche Phantasie und die Gabe, dieWirklichkeit poetisch- zu verklären, waren ihm eigen. In der Vielseitigkeit seines künstlerischenSchaffens erinnert er an Dürer, mit dem ihn Freundschaft verband. Als sein Hauptwerkwird der Hochaltar des Münsters zu Freiburg in Baden geschätzt. Wie manche andere zeit-genössische Maler beschränkte sich auch Baldung nicht bloß auf den Pinsel und die Farbe; inzahlreichen Holzschnitten und in einer Fülle von Feder- und Silberstift-Zeichnungen sind unsanziehende Schöpfungen seines echten Künstlergemüts erhalten. Auf Dürer und Grünewaldzugleich stützt sich Altdorfer (um 1477—1538), der erste deutsche Künstler, welcher Stimmungund Leben in die Schilderung der Landschaft brachte, die er gern durch spielende Engelchenbelebte; er war ein hochangesehener Protestantischer Bürger von Regensburg und befand sichunter den Ratsherren, die im Jahre 1533 die Einführung des lutherischen Gottesdienstes inRegensburg durchsetzten.
Als Zweig der Nürnberger erwuchs in Luthers Heimat die sächsische Malerschule durch denfränkischen Meister Lukas Müller aus Kronach, der Lukas Cranach d. Ä. (1472—1553) ge-nannt wurde. Als Friedrichs des Weisen Hofmaler und einer der angesehensten Bürger vonWittenberg wurde er aus einem frommen Verherrlichen der Heiligen Luthers Freund und An-hänger; er illustrierte dessen Bibel, sowie die Streitschriften seiner vielbewegten Zeit durchHolzschnitte, und schmückte mit seinen Altarbildern die -lutherischen Kirchen, aus welchen dieKunst nicht vertrieben wurde, wie in den Gotteshäusern Zwinglis und Calvins. Den reforma-torischen Auffassungen gab Cranach in mehreren seiner religiösen Bilder, deren Inhalt Lutherselbst vielleicht unmittelbar beeinflußt hat, künstlerischen Ausdruck. Aber auch der antiken Mytheentnahm Cranach die Stoffe zu vielen liebenswürdigen Kompositionen, die in Gemälden undnamentlich auch in Holzschnitten zur Ausführung kamen. Die Allegorie und das Sittenbildbegegnen ebenfalls in des vielbeschäftigten Meisters künstlerischem Schaffen, dessen tüchtigsteLeistungen indes auf dem Gebiete der Bildnisse liegen. Die Fürsten und Reformatoren seinerZeit sind vielfach von ihm gemalt worden; aber nicht nur in Bildern, die von des Meisterseigener Hand herrühren, sondern auch in fabrikmäßigen Erzeugnissen, die massenweise in der Werk-statt Cranachs von seinen Gehülfen und Schülern angefertigt wurden. Die erhaltenen Rech-nungen geben hierüber kulturell interessante Aufschlüsse; z. B. erhielt Cranach im Jahre 1533 für„60 par teffelein (Täfelchen) daruff gemalt sein die bede churfürsten selige und löblich gedechtnus"die geringe Bezahlung von 109 Gulden 14 Kreuzer. Freilich waren auch diese Bildchen danach;sie wurden vom kurfürstlichen Hofe an Freunde und Angestellte verschenkt. Daß LukasCranach auch ein sehr beliebter Tier- und Jagdmaler war, darf nicht unerwähnt bleiben.Er arbeitete eben auf vielen Gebieten und das ist seinen Schöpfungen im einzelnen nicht