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Zweiter Band.
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112 Viertes Buch. VI. Sitten, Tracht und Kunstgewerbe.

Es Waren schlimme Elemente genug, die da und dort im Volke wühlten, trotz alledcmaber blieb es stark und gesund, — von solch tüchtigen: Kerne war es! Was immer im Laufeder Zeiten an unlauterem Wesen, Ausschweifungen und verderblichen Sitten auftrat, sich in denhöheren Gesellschaftsklassen festsetzte und von da in die übrigen Schichten der Bevölkerungeindrang, ergriff das Volk doch niemals ganz und allgemein. In allen Kreisen erhielt sich stetsein gesunder Kern, an dem das Ganze wieder erstarken konnte. Auch an Fürsten fehlte esnicht, die dem Volke zum guten Beispiel, einfach, mäßig und sittenrein lebten. Moritz vonSachsen, so sehr er politisch unzuverlässig und zu Zeiten im Trinken unmäßig war, lebte

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Sogenannter Moritz- oder Dreifaltigkeits-Thaler (Vorderseite) des Herzogs Moritz von Sachsen; v. Jahre 1544.

Silber, gegossen und cisellert; Originalgröße.

Umschrift: I4LI ULU0V8ZI LVLl IUII. Im Felde ist die heilige Dreieinigkeit

dargestellt: Gott Vater in dem Ornat der deutschen Kaiser auf dem Throne; zwischen seinen Knien das Kruzifix, aufwelchem die Taube des heiligen Geistes steht; zu jeder Seite ein stehender Engel und umher viele Engelköpfe. Das HUunten ist das Zeichen des Künstlers: Hans Reinhard. Die Figuren sind teilweise angelötet.

Berlin, Königl. Münzkabinett.

genügsam in gewöhnlichen Tagen. Der unglückliche Gefangene Karls V., Johann Friedrichvon Sachsen und Herzog Julius von Braunschweig hielten auf umfassende Bildung ihrerKinder und verbannten das Saufen, Fluchen und Spielen wie allen unnützen Aufwand. Friedrichder Fromme von der Pfalz war nicht nur hochgebildet, er mied auch streng jede Unsitte; seinLeben war sogar dürftig. Auch am brandenburgischen Hofe war das übermäßige Trinken verpönt.Unter den Kaisern zeichnete sich Ferdinand I. durch seine Sittenstrenge aus. An den Höfenherrschte noch keine lästige Etikette, Zutritt zu erhalten war nicht schwierig. Herzog HeinrichJulius von Braunschweig gab jeden Sonnabend öffentliche Audienz und hörte die geringstenUnterthanen an. Die Fürsten nannten ihre Gemahlinnen traulich ihre „Wirtinnen". BeiHochzeiten, Taufen und Beerdigungen wurde, wie früher (I. S.486ff.), großer Aufwandgetrieben, in der Stadt wie auf dem Lande, hier besonders mit maßlosem Tanzen, ungeachtet