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Zweiter Band.
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Viertes Buch. IX. Das dreißigjährige Kriegseleud.

Mit einem 30000 Mann starken von Tilly geführten Heere unterstützte KurfürstMaximilian I. den Kaiser gegen die aufständischen Böhmen und ihren König Friedrich, die am8. November 1620 in der Schlacht auf dem weißen Berge bei Prag vollständig besiegt wurden.In kopfloser Flucht enteilte der „Winterkönig" auf Nimmerwiederkehr nach den Niederlanden.Was nun in Böhmen geschah, zeigte, was ein Sieg des von den Jesuiten beherrschtenÖsterreichs damals zu bedeuten hatte. Kaiser Ferdinand II., welcher zum Danke für den Siegeine Wallfahrt nach Mariazell unternahm und dem dortigen Gnadenbilde der heiligen Jung-frau eine zehntausend Gulden werte goldene Krone darbrachte, war dem Nuntius Carasfa undseinem Beichtvater, dem Pater Wilhelm Lämmermann aus Luxemburg, noch viel zu mild.Letzterer, der es liebte, seinen Namen in „Lamormain" zu französieren, und seine Ordens-genossen, die Jesuiten, stachelten daher den Kaiser zu rücksichtsloser Strenge auf. Am 21. Juni1621 wurden die Urheber des Aufstandes auf dem Platze vor dem Altstädter Rathause in

Soldaten vorn Ende des 16. Jahrhunderts.Originalgröße Faksimiles der Kupferstiche von Heinrich Ullrich.

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Prag hingerichtet: vierundzwanzig enthauptet, wovon einem vorher die Hand abgehauen, einemzweiten die Zunge ausgeschnitten worden, und drei gehängt; ihre Körper wurden zerstückeltund an verschiedenen Orten der Stadt ausgestellt; ihr Hab und Gut aber verfiel dem Kaiserund seinen Günstlingen. Das Eigentum der flüchtigen Teilnehmer am Aufstande, oder auchnur der Verdächtigen, wurde ohne rechtliches Verfahren verkauft. Diejenigen, welche sichstellten und nicht in ihrem Glauben verharrten, erhielten einen geringen Teil wieder vergütet —aber in falschem, bald genug verrufenen Gelde, das der Kaiser selbst anfertigen ließ, wobei erindes von den Beauftragten schmählich betrogen wurde. Alle protestantischen Kirchen wurdenden Katholiken überwiesen, soweit man sie nicht zerstörte; das Los ihrer standhaften Geistlichenund Lehrer ohne Ausnahme war Verbannung, Marter oder Tod; selbst ihre Bücher undKüchengeräte wurden verbrannt. Wo den Jesuiten und ihrem Führer in diesem traurigenGlaubensfeldzuge, dem Pater Lämmermann, ihr Bekehrungswerk im protestantischen Volke nichtvöllig gelang, da wurde der Rest den Soldaten überlassen, welche, in bitterem Hohn „Selig-macher" genannt, die Widerspenstigen mit Säbel und Kolben zur Beichte und Messe trieben