Gustav Adolf von Schweden. Kriegslasten.
159
der sich nach dem Grade und der Waffengattung richtete. Die Pikeniere oder Doppelsöldnererhielten monatlich nenn bis zwanzig, die Musketiere acht bis zehn Gulden. Von den Offizierenwar der Fähnrich mit sechzig, der Lieutenant mit achtzig und der Rittmeister mit 174 Guldenfür den Monat besoldet. Generale brachten es auf zwei- bis zehntausend Gulden monatlich.
Die höheren Offiziere bereicherten sich überdies durch Erpressungen im Kriege und sogardurch Unterschlagung des Soldes der Mannschaft. Habsüchtige und herzlose Unterbefehlshaberbetrieben die Aussaugung und Bedrückung des Volkes aus die schamloseste Weise. Wallensteinwenigstens war bestrebt, die schlimmsten Ausschreitungen dieser Art in seinem Heere durchstrenge Maßregeln zu verhindern. Freilich mußte den Unterhalt auch seiner Truppen dieBevölkerung der besetzten Gebiete tragen; er wollte sie dabei aber nicht zuchtlosen Räubereienunterliegen lassen. Die Einrichtung regelmäßiger Leistungen, bei deren Bemessung auchWallenstein reichlich für seinen eigenen Vorteil sorgte, sollte dem entgegenwirken. Als erim Jahre 1627 Schlesien eingenommen hatte und vier Jahre lang besetzt hielt, ward demAdel und den Beamten die Abgabe von zweiDritteln ihrer Einkünfte, den Bürgern undBauern die der Hälfte ihres Erwerbs auf-erlegt. Der Bedarf von Wallensteins Kücheund Keller war ungeheuer groß; so mußtenihm z. B. an einem Tage geliefert werden:zwei gute Ochsen, zwanzig Hammel, zehn Heuer(uns unbekannter Ausdruck), vier Kälber, eingutes Schwein, fünfundfünfzig Hühner, vieritalienische Hähne, zwölf Gänse, sechs SchockEier, siebzig Maß Milch, sechshundert LaibleinWeiß- und vierhundert Roggenbrot, acht TonnenBier, zwei Tonnen Rheinwein, vier EimerFrankenwein, zw.anzig Arten Gewürze, zwei-undzwanzig Arten Früchte und Gemüse u. s. w.
Ebenso schlimm als die kaiserlichen Gene-rale und namentlich die dem Kaiser dienendenItaliener, lasteten die nach Gustav AdolfsTod kommandierenden schwedischen Generale aufdem Volke. Sie alle bereicherten sich durchBrandschatzungen und Unterschlagungen in einemMaße, daß sie Kapitalien von Millionen aufihre Familien vererbten.
Die Soldaten aber blieben in Zeiten derFinanznot oft unbezahlt. Dann hatten sie dieWahl zwischen Verhungern und Erfrieren odersich selbst bezahlt zu machen. Dazu mußte das sonst schon genug geplagte Volk der Bürgerund Bauern herhalten; nach Belieben wurde bei ihnen geplündert. Das war der Zustand,welcher im dreißigjährigen Kriege die Regel war. Da erwachte denn die Bestie im Menschen.Alle Parteien verhielten sich darin gleich, nur daß die Schweden erst nach ihres Königs frühemTode bei Lützen die Zucht aufgaben und seitdem die ärgste Geißel Deutschlands wurden.
Die wilden Söldnerbanden, ob katholisch oder protestantisch, wüteten und raubten überall.Nicht nur Häuser, sondern auch Kirchen ohne Unterschied des Bekenntnisses wurden aus-geplündert; Dirnen und Pferde mit geistlichen Gewändern behängt. Um die Baracken ihrerLager zu bauen, welche noch die Einrichtung der Landsknechtlager (I. S. 482) hatten, nurdaß die umringende Wagenburg weggefallen war, wurden den Hütten und Häusern der Bauerndie Dächer abgerissen. Überhaupt alles, was Bauer und Bürger besaßen, war dem rohenSoldaten verfallen, soweit er es irgend erlangen konnte, wozu die scheußlichsten Mittel ihmhelfen mußten. Das Plündern selbst blieb unbestraft, wer aber das Geraubte sofort verspielte
Landstreicher um 1600 .
Faksimile des Kupferstiches von Heinrich Ullrich.