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Fünftes Buch. I. Die Staatsraison.
Die für das Ver-kehrswesen wichtigsteRegierungshandlungFriedrich Wilhelms wardie Errichtung einesregelmäßigen Post-dienstes von der Me-inet bis zum Rhein, jabis nach Amsterdam;der Kurfürst ernannteden ersten Oberpost-direktor und ließ seineBeamten auf das Brief-geheimnis beeidigen.Diesem Beispiel folgtendie übrigen größerenFürsten und auch vieleStädte, wodurch demReichspostmonopol derspanischen Grafen, spä-ter Fürsten von Thurn
und Taxis, das sehr ungenügend ausgeübt und sogar von Österreich selbst ausgeschlossen war,bedeutender Eintrag geschah.
Das einstige wendische Fischerdorf Berlin hatte der Kurfürst bei seinem Regierungs-antritt als Doppel-Städtchen Berlin-Kölln mit zehntausend Einwohnern übernommen, und ineinem durch die Kriegsleiden herbeigeführten so armseligen Zustande, daß es den Hof als eineschwere Last empfand. Es erholte sich aber doch wieder, und die Erhebung zur einheitlichenStadt gelang unter Friedrich Wilhelm, welcher Gelehrte und Künstler berief und nun Berlineiner Residenz würdig zu gestalten begann, wobei freilich der Bürgersinn gegenüber dem Hof-glanze den kürzeren zog. Der damalige Geschmack erforderte einförmige, schnurgerade Straßen,denn die deutschen Fürsten nahmen durchweg den glanzliebenden Schöpfer von Versailles undMarly, Ludwig XIV., zum Muster. So hat denn der aus Holland stammende Architekt Neringsozusagen mit dem Richtscheite die Friedrichs- und die Dorotheenstadt von Berlin zugeschnitten,wobei er von den vorhandenen Häusern die, welche seinen Beifall nicht fanden, abbrechen ließ;derselbe Meister erbaute auch 1685 das Zeughaus und 1692—1695 die „lange Brücke" inder kurfürstlichen Residenz. Unter Friedrich Wilhelms Nachfolger wurden die Bauten fort-gesetzt; in den Jahren 1699—1706 entstanden unter Andreas Schlüter aus Hamburg unddem Schweden Eosander von Goethe, das königliche Schloß in Berlin, zu dem sich die Schlösserund Gärten von Potsdam, Oranienburg, Schönhausen und andere gesellten. In allen diesenBauwerken herrschte die italienische Spätrenaissance, der sogenannte Barockstil, der sich in weitausgedehnter Anlage des Grundrisses und in „perspektivischen Kunstgriffen" gefiel.
Die Religionsfreiheit zu achten, den verfolgten Bekenntnissen Schutz zu gewähren, warein hervorstechender Zug der brandenburg-preußischen Politik; die seit dem Anfange des Jahr-hunderts zum Calvinismus übergetretenen Kurfürsten hatten nicht daran gedacht, wie andereMachthaber ihren Glauben dem Volke aufzudrängen. So begann auch der Große Kurfürstdamit, Ausländern, die um ihres Glaubens willen verfolgt wurden, seine Landesgrenzen zuöffnen. Die von Ludwig XIV. und der Madame Maintenon vertriebenen Hugenotten warendie ersten, welche dieses Asyls teilhaftig wurden. Durch sie entstand im Jahre 1685 die ge-werbfleißige französische Kolonie in Berlin. Vertriebene Österreicher folgten, aus den spanischenNiederlanden flüchtige Wallonen, und bedrückte Waldenser aus Piemont. Indes konnte es derHerrscher keiner Konfession recht machen und bisweilen war er zu Schritten genötigt, die wieGlaubenszwang aussahen, obschon sie nur den religiösen Frieden bezweckten. Am meisten
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Medaille des Großen Kurfürsten auf die Afrikanische Compagnie, vom Jahre 1681 .Silber. Originalgröße.
Umschrift der Vorderseite: ?UID: O. N. UU: 8. U. IN?: ä.U.68: Brust-
bild des Großen Kurfürsten im Harnisch, mit langer Perücke. Umschrift der Rückseite: MIO^UKO ?LUUIIN II? Das Meer mit verschiedenen der Küste Ansegelnden
Schiffen. Über der Küste OIIIHL^., darüber Wolken, zwischen denen ein Stern. Die Wellenwerden durchschnitten von der Inschrift ?U^.UIIX?IIR. Im Vordergründe auf quadratischenFeldern ein Postament mit einem Kompaß. Unten im Abschnitte ll. L. Lolluit?. k. Auf dem Randeder Medaille f L.V 0RL8 0II1UL^L > NV6I-XLLI.
(Sammlg. d. Ges. f. bildende Kunst u. vaterl. Altert, in Emden.)