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Zweiter Band.
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ZZ4 Fünftes Buch. IX. Die Aufklärung in der Wissenschaft.

Jahrhundert erwacht war, sich von da Frankreich im Anfange und Deutschland in der Mittedes achtzehnten Jahrhunderts mitgeteilt hatte, und der hier nun jener Unzufriedenheit eine jenach der Eigenart der Beteiligten mildere oder kräftigere Färbung verlieh. Die Reihenfolgeim Erwachen der Völker richtete sich auch hier, wie immer in der Kulturgeschichte der Mensch-heit, nach der mehr oder weniger umfassenden Berührung mit dem allbefreienden Ocean.

Von „falscher" oder „flacher" Aufklärung zu reden, ist leicht. Es giebt nur eine wahreAufklärung: das Ringen nach Klarheit, nach Licht. Und für sie giebt es nur einen Weg:die Gedankenfreiheit. Wer für diese kämpft, der huldigt der Aufklärung, heiße er Buddha,Sokrates, Spinoza, — oder Hütten, Lessing, Kant. Die Aufklärung des achtzehnten Jahr-hunderts unterscheidet sich indes von vorangegangenen aufklärenden Bestrebungen dadurch, daßsie sich auf einem längere Zeit und von tiefgreifenden Bewegungen vorbereiteten Boden vollzog;und in Deutschland trennte sie sich überdies, ungeachtet mancher Mißgriffe und Schwächen,durch einen im ganzen ernsteren und von Frivolität freieren Charakter von den entsprechendenBewegungen in anderen Ländern.

In Deutschland hat nie, weder in politischer, noch in religiöser Beziehung, eine solcheallgemeine und unerträgliche Despotie geherrscht wie in Frankreich unter den Bourbonen seitdem Tode Heinrichs IV. Wenn man von einigen Duodezfürsten und von den gewaltthätigenWerbungen Friedrich Wilhelms I. absieht, so hat in Deutschland weit weniger die Person desFürsten Zwang und Druck auf die Völker ausgeübt, als vielmehr nur der Staat als solcherin der Absicht, das allgemeine Beste zu fördern, wobei freilich Irrtümer nicht ausgebliebensind. In Frankreich war der aufgeklärten Despotie eine sehr geringe Rolle beschiedcn ge-wesen; dafür entfesselte die Revolution dort ihre Schrecken. In Deutschland haben Friedrichder Große und Josef II. einer Revolution den Stoff vorweggenommen. Daher blieb auch fürdie politischen Schriftsteller ihrer Zeit fast keine, wenigstens keine fruchtbare Wirksamkeit übrig.Ihr ältester, der biedere, echt deutsche Johann Jakob Moser.(1701—1785), ein Württem-berger, welcher aber nach und nach mehreren deutschen Fürsten diente, war kein Freigeist; er-stand vielmehr mit Pietistischen Kreisen in Verbindung und verfaßte geistliche Lieder, verfochtaber jeder Gewaltherrschaft gegenüber die Rechte des Landes und litt dafür auf Befehl seinesHerzogs, des Despoten Karl Eugen, fünf Jahre auf dem Hohentwiel in Gefangenschaft, bisihn Friedrichs Verwendung befreite. In ähnlicher Weise wirkte und duldete auch sein SohnKarl Friedrich Moser (1723—1798) als hessischer Minister. In seiner besten Schrift „DerHerr und der Diener" zeigte derselbe, wie wenig Fürsten es gebe, welche die deutsche Freiheitnicht mißbrauchen, wie wenige für ihres Landes Wohl arbeiten und wie schädlich die einseitigmilitärische Ausbildung auf sie wirke; in kräftiger Weise geißelte er die Eitelkeit, Maitressen-wirtschaft und schlechte Landesverwaltung der Miniaturdespoten. Mit den beiden Moser hatviele Berührungspunkte der Osnabrückische Beamte Justus Möser (1720 —1794). Wie sie,war er durchaus konservativ, ja in manchem reaktionär; gleich ihnen ging er in seinen „patrio-tischen Phantasien" (um 1770) von einem Standpunkt, welcher dem der fürstlichen Reformerdurchaus entgegengesetzt war, nämlich von der entschiedenen Bekämpfung des Absolutismusaus; dennoch hielt er äußerst streng an der bestehenden ständischen Gliederung der Gesellschaftund ihren Gewohnheiten, wenn sie auch noch-so veraltet waren, fest. Mit der „Aufklärung", dieer vielmehr bitter haßte, hatte Möser nichts gemein, als daß er manchen gemäßigten Reformendas Wort redete, kräftig für die Rechte des Bauernstandes und für die Unabhängigkeit derRechtspflege eintrat und als Kämpe deutschen Wesens gegen die Nachahmung der Franzoseneiferte. Er war ein durchaus praktischer, nicht nur allen neuen Moden, sondern auch allerphilanthropischen Schwärmerei, aller Erschütterung des hergebrachten Glaubens, ja sogar allerVerallgemeinerung der Bildung abgeneigter, der historischen Entwickelung stets das Wort reden-der Politiker.

Einen kühneren Schwung nahm die politische Litteratur im Vereine mit der Geschicht-schreibung im Kurfürstentum Hannover, dessen Personalunion mit Großbritannien ihm einenVorzug gegeben hatte, dessen sich die größeren deutschen Staaten nicht einmal unter Friedrichund Josef erfreuten, nämlich die vollständige Befreiung von der Büchercensur. Die Universität