Reisen. Naturgenuß. Volkstrachten.
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noch bestehenden sind in der beigegebenen Tafel*) dargestellt. Auch in der Schweiz, wo es mancherleiVolkstrachten gab, sind sie in mehreren, namentlich den industriellen Kantonen bereits verschwunden.
Eine vielseitige und rege häusliche Thätigkeit, die jeden Bedarf der Familie, soweit esirgend möglich war, im Hanse selbst erzeugte, herrschte in allen Schichten des Volkes von denAlpen bis zu den nördlichen Küsten. Nur in den wenigen wohlhabenderen Landstrichen wares üblich, von Handwerkern und Gewerbetreibenden zu kaufen, was in den ärmeren Gegendendie Landleute noch mit eigenen Händen für sich selbst bereiteten. „Mit Bewunderung mußman heute auf den ungemeinen Hausfleiß zurückblicken, der alles, was man um und anhatte, sich selber verfertigte. Da ward gesponnen, gewebt, gestrickt, manch Hundert Ellen groberund fein gestreifter Zeuge verarbeitet, um all die weiten wollenen Röcke zu schaffen, die zu einerguten Aussteuer gehörten. Im Friesischen war alles mit Weben und Stricken beschäftigt, bei-nahe in jedem dritten Hause ein Webstuhl; selbst auf den Wegen sah man Frauen und Mädchenmit dem Strickzeug in der Hand, um die berühmten weichen Weißen Strümpfe zu verfertigen, dieweithin verkauft wurden. Allgemein verbreitet war in den Marschen bei Tondern in Schleswigdie aus der Fremde eingeführte Übung des Klöppelns der kostbaren und kunstreichen Spitzen,die auch den ärmeren Familien bedeutenden Gewinn brachten. Selbst die Männer blieben imWinter, wenn die Arbeit draußen oder die Seefahrt ruhte und die Dreschdiele nichts zu schaffengab, niemals müßig: sie schnitzten in Holz, verfertigten jene mit allerlei kunstreichen Linien undFiguren verzierten Mangelbretter, die noch heute dann und wann in den Hausständen gesehenwerden, machten Knochenarbeiten, selbst noch hölzerne Truhen, deren Zierate trotz ihrer grobenForm an die einst im Lande so kunstreich betriebene Schnitzerei erinnerten; aus Stroh flochtensie allerlei Matten, banden Heide und Birken zu Besen, Schweinsborsten zu Bürsten und trugenweit und breit ihre Waren feil. Auch die Bauern der nördlichen Grenzlandschast Angelnbereiteten nicht bloß ihr Leiuenzeug und ihr Tuch zum eignen Gebrauche, sie strickten sogarihre Strümpfe und verfertigten ihre Holzschuhe, ja ihre Stiefel eigenhändig. Während man soin den Geestlandschaften sich alles, was das tägliche Leben bedurfte, selber herstellte und nureinzelne Stücke wie den Manchester, den die Männer zu ihren Hosen, den Kattun und Merino,den reichere Frauen zu einzelnen Kleidungsstücken nicht entbehren konnten, von dem städtischenKaufmann einhandelte, war man dagegen in dem reichen Dith Marschen schon längst gewohntauf eine derartige häusliche Arbeit zu verzichten. Hier spannen die Knechte und Bauern nichtmehr, auch verstand höchst selten eine Bauernfrau das Weben; das überließ sie den zünftigenWebern in den Städten. Außer etwas Strumpfstricken und Handschuhhäkeln, das von den Geest-bauern betrieben ward, gab sich das männliche Geschlecht durchaus nicht mit Handarbeiten ähn-licher Art ab. Selbst Ackergeräte machte der Landmann sich nicht, sondern beschäftigte dafüreinheimische Tischler und Stellmacher; Schaufeln, Wagen, Leitern und dergleichen lieferten ihmdie fleißigen Holsteiner. Was Wunder, daß der Dithmarse seine Beziehungen zu den nahgelegenenSee- und Handelsstädten benutzte, um alles Tuch zu seinem Oberkleide von dort herzuholen?Überall bemerkte man hier einen größeren Aufwand, selbst im Fuhrwerk und in der ganzenEinrichtung des Hauses. Mit staunender Verwunderung nahm einmal ein reisender Engländer,der vieler Herren Länder gesehen, den Hof eines holsteinischen Marschbauern in Augenschein;er fand den „Pesel" d. h. den großen Saal und das Wohnzimmer mit prachtvollen Mahagoni-möbeln ausgestattet, und kostbare Theeservice in den Schränken aufgestellt; er hielt es nicht fürübertrieben, wenn man das Vermögen des Besitzers auf 40000 Spezies (—180000 Mark)
*) Erklärung der Tafel: 1. Mann aus dem dänischen Oberlande. 2. Kopf eines Mannes ausder dänischen Pfalz. 3. Mädchen von Tegernsee, 4. Frau aus Mittelwald und 5. Mädchen aus Aichbachim dänischen Oberland. 6. Mann aus Elzach, 7. Mädchen aus Gutach und 8. Frau aus Schonach imbadischen Schwarzwald. 9. Junger Mann von Eckartsweier in Baden. 10. Mädchenkopf von Dudenheimin Baden. 11. Mädchen von Schwenningen in Württemberg. 12. Alter Mann von Oschersleben amHarz. 13. Frau aus dem Harz. 14. Altenburgerin. 15. Altenburger. 16. Alte Frau von Wolfen-büttel. 17. Mädchenkopstracht von Rottweil in Württemberg. 18. Mädchen aus Hannover. 19. Mädchenund 20. Bauernbursch aus den Bierlanden. 21. Bäuerin von Rostock. 22. Bäuerin von Ratzeburg.23. Bäuerin und 24. Bauer von Pyritz in Pommern. 25. Spreewälderin. 26. Bäuerin aus dem NeisserKreise. 27. Kopfputz aus dem Waldenburger Kreise. 28. Frau von Tannhausen im Kreis Waldenburg.
Deutsche Kulturgeschichte. II. 28