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Zweiter Band.
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Bauernleben. Tänze und Spiele.

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schätzte. Das Haus des Bauern, namentlich im niederdeutschen Gebiete, hatte damals nochmeist die alte Anlage (I. S. 64). Eng waren mit dem Leben in dem alten Hause gewissereligiöse und kirchliche Gebräuche verbunden. Am Sonnabend las der Hausvater aus einerPostille den sämtlichen Hausgenossen eine Predigt vor, namentlich im Winter; und auch amSonntag während der Predigt ward diese Sitte von denen, die am Kirchenbesuch verhindertwaren, regelmäßig geübt. An hohen Festtagen, besonders am Weihnachts- und Neujahrsabend,sammelte sich alles in der „Döns", um aus dem Gesangbuche zu singen. Keine Mahlzeit gabes ohne Beten vor und nach dem Essen, selbst auf dem Felde zur Erntezeit faltete das Gesindedie Hände. Wo die Betglocke in und außer dem Kirchort gehört ward, rief sie zur Andacht.Die Arbeiter auf den Ackern zogen den Hut ab und sprachen einen frommen Spruch. Brachbei Nachtzeit ein heftiges Gewitter herein, so erhoben sich alle aus den Betten und betetenoder sangen gemeinschaftlich ein Lied. Niemand trat zu einem Arbeiter, der nicht sprach:„Guten Tag! Gott helf!" Ging man aus einem Hause zur Abendzeit, so hieß es: „GuteNacht! Gott bewahr Euch!" Selbst der Nachtwächter des Dorfes wirkte an diesem gemein-schaftlichen Leben der Gemeinde mit; wenn er die Stunden ausrief, so hörte man jenen Bers,der für die alten feuergefährlichen Wohnungen und Strohdächer paßte: „Ein jeder bewahr seinFeuer und Licht." Vor den Häusern, in welchen etwas Außergewöhnliches vorgefallen war,wo eine Leiche stand oder ein Schwerkranker lag, ertönten besondere Verse. Das hatte mangar gern. Wie in der Familie kein Fest gefeiert ward, woran das Gesinde nicht teilnahm,so gab es auch kein Dorfvergnügen, an dem sich nicht die Söhne und Töchter der Bauerngemeinschaftlich niit den Knechten und Mägden beteiligten. Sie ritten mit ihnen nach demRinge, schlugen mit ihnen nach dem Topfe, feierten mit ihnen die Erntefeste: alles in allemgerechnet, das patriarchalische Leben entsprach völlig der altertümlichen Wohnung. Das istalles anders geworden: mit der neuen Bauweise hat sich auch das alte Familienleben auf-gelöst; seitdem mehr Stuben entstanden, speist der Herr mit den Seinen getrennt vom Ge-sinde. Das alte „Ji" ist dem vornehmen „Se" gewichen. Je vornehmer die Wohnung, destovornehmer ist der Hausherr geworden: er ist nicht mehr der „Hausvater", wie sein Großvaternoch war. Mit der Umwandlung, die im Laufe der letzten vier bis fünf Jahrzehnte im altenHauswesen des Landmanns vor sich gegangen ist, hat die Auflösung der Gemeinschaft zwischenHerrschaft und Gesinde gleichen Schritt gehalten."

Von den Tänzen und Spielen des Volkes und der Jugend sind einige aus alter Zeitin unser Jahrhundert herabgekommen. Den altgermanischen Schwertertanz (I. S. 25, 342)kannte man zwar nur bis in das vorige Jahrhundert; der Reigentanz (I. S. 399) aberhielt sich bis in das unsrige herein. Der paarweise Tanz ist erst etwa seit dem sechzehntenJahrhundert aus der Fremde eingedrungen. Noch kennt die Jugend den Rosenkranz, der auseiner Zeit stammt, zu welcher man noch in einer Blumenkette tanzte, sowie nach Tieren be-nannte Reigen, die man ehedem in Tiermasken aufführte. Auch giebt es Jugendspiele, diean die germanische Brautwerbung erinnern: so, wenn die Kinder in zwei Reihen, deren einedie Freier, die andere die Mutter mit ihren Töchtern vorstellt, einander gegenüberstehen unddabei Verse, oft von verlorener Bedeutung, singen. „Es sind Bruchstücke aus Chorreigen desgermanischen Altertums, die ursprünglich gewiß bei Frühlingsanfang gesungen und getanztwurden. Die spinnende „Königstochter", sieben Jahre im Turm oder im Kloster verborgen,stellt die spinnende Erdgöttin Holda dar, die während der sieben Wintermonate von den Winter-riesen in Haft gehalten und durch den Frühlingsgott, welchen der Vorsänger vertritt, aus derWinterburg befreit wird. Auch die „Frau Rose" ist keine andere als dieselbe Göttin, wie siein dem Kinderbrunnen sitzt, aus dem nach der alten Volksmeinung die Kinder geholt werden.Ebenso ist das Brückenspiel aus der Vorstellung des germanischen Heidentums hervorgegangen,wonach die Toten über eine Brücke ins Jenseits ziehen. Je nach der Wahl kommen sie in denHimmel oder in die Hölle d. h. nach altheidnischer Anschauung nach Walhalla oder nach HelsWohnung. Das Zerren am Schluß des Spieles deutet auf den großen Kampf, welchen amEnde der Welt die Bewohner Walhallas mit den feindlichen Mächten der Unterwelt auszu-kämpfen haben werden."