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Zweiter Band.
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Musik und Dichtung.

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seltene Erfolge und als Komponist ist er durch seine „Lieder ohne Worte" unsterblich geworden.Er strebte planvoll eine Rückkehr zur klassischen Musik an, und zwar bis auf Bach und Händelzurück, indem er beide Heroen der Tonkunst, namentlich Bach, durch sein Wirken in Berlinund Leipzig der Gegenwart vertrauter machte. Im Fache des Liedes steht mit noch größererSchaffenskraft Robert Schumann (1810—1856) an seiner Seite, der im Geiste Schubertsfortwirkte, aber leider in Geiftesnacht seine Feuerseele aushauchte. Für seine Kunst wirktenamentlich seine Gattin Clara durch ihr seelenvolles Klavierspiel. Beide Tondichter, Mendels-sohn sowohl, wie Schumann, sind indessen nur noch halbe Romantiker gewesen. Ein ganzer,aber in einem neuen Sinne, war wieder der bisher letzte große deutsche Musiker, der zugleichder erste musikalische Parteigänger philosophischer und politischer Zeitströmungen wurde. RichardWagner, geboren in Leipzig im Jahre der Völkerschlacht, gestorben 1883 in Venedig, hat inder Tonkunst die Romantik aus den höchsten Gipfel gesteigert und zugleich in seinen erstenWerken dem Radikalismus und Pessimismus gehuldigt. Er war beides: Musiker und Dichter,dies zwar nur für die Musik. Seit der Revolution, an welcher er sich in Dresden 1849beteiligte, trat er in mehreren Schriften mit der Forderung auf, daß sich alle Künste, besondersaber die Dicht- und Tonkunst, auf der Bühne in ein einziges Kunstwerk vereinigen sollten.Für dieses schuf er einen musikalischen Stil. welcher unter großartiger Entwickelung der Instru-mentalmusik philosophische Ideen in die Tonwelt hineinzulegen den Anspruch erhob. DieseRichtung erhielt den Namen der „Zukunftsmusik". In Wirklichkeit ist das „Zukunftskunstwerk"lediglich Oper geblieben; aber allerdings eine Oper, die auch im Texte eigenstes Werk desKomponisten ist. Universell ist Wagners Musik aber insofern, als sie die verschiedensten Ten-denzen durchlaufen hat: sie ist im „Rienzi" republikanisch, im „Tannhäuser" antipäpstlich undketzerisch, im „Lohengrin" romantisch, in den „Meistersingern" christlich-germanisch, im „Triftan"und im „Ring der Nibelungen" pessimistisch, im „Parsifal" schließlich erscheint sie katholisierend.Im „fliegenden Holländer" herrscht das dämonische Element ohne Tendenz. Des Meistersgroßartigstes Werk ist die Nibelungen-Trilogie mit dem Vorspiel „Rheingold", nämlich inmusikalischer Beziehung; denn weder der rauhe, ungefeilte Text mit seinen Allitterations-häufungcn, noch die willkürliche Behandlung der nordischen Götter- und Heldensage kann denUnbefangenen blenden. Für die Ausführung dieses Werkes erbaute Wagner mit Hilfe seinerFreunde bei Baireuth' ein eigenes „Nationaltheater", welches 1876 eingeweiht wurde. Wesent-liche Unterstützung hat Wagners Musik bei dem durch seine Menschenscheu und seine künst-lerischen Extravaganzen so unglücklich gewordenen König Ludwig II. von Baiern gefunden.

Die Meister der Oper sind dahingegangen; als Epigonen folgten ihnen die Künstler derOperette. Die jüngste Zeit aber setzt dem inneren Wert des komponierenden Schaffens dasVirtuosentum entgegen; sie erdrückt die Individualität durch die Massen, den Gesang durchdas Orchester. Virtuosen haben mehr Triumphe erlebt, als die geistvollsten Tondichter. Dergeniale Ungar Franz Liszt (1811—1886), Wagners Freund und Schwiegervater, ungenießbarals Tonsetzer, ist infolge seines hinreißenden Klavierspiels sozusagen angebetet, mit wahrerRaserei gefeiert worden. Sein an galanten Verbindungen reiches Leben beschloß er als Geist-licher im päpstlichen Dienste. Auch das Orchester aber, das die Einzelleistungen übertäubt,dient oft mehr anderen als rein künstlerischen Zwecken, der Sensation oder dem rauschendenVergnügen, der Verherrlichung von Festen aller Art. Ähnliches gilt von der schönen deutschenSchöpfung des Männergesanges, der festliche Stimmungen erhöht und veredelt, den Patrio-tismus stärkt, im Kriege durch Gesänge, wie die „Wacht am Rhein", die Streiter erhebtund anfeuert, und die Deutschen, wo sie auch auf dem weiten Erdenrund zerstreut sind, festerals jedes andere Bindemittel zusammenhält.

Von der Dichtkunst läßt sich dasselbe sagen, was vorhin von der Musik. Auch in ihrfinden sich schon während der Restaurationszeit Kräfte einer neuen Art. So der allzufrüh Hin-geschiedene Schwabe Wilhelm Hauff (1802—1827), in dessen romantischen Dichtungen stattder Verirrungen dieser Schule reine Poesie und Volksliebe walten, wie in seinem ansprechendenRoman aus der Reformationszeit, „Lichtenstein", während seine „Phantasien im BremerRatskeller" von einem mutwilligen aber doch kernhaft deutschen Humor sprühen. Durch die