^,68 Sechstes Buch. VIII. Die realen Wissenschaften und die soziale Frage.
Teilen der Erdoberfläche wetteiferten, zu nennen: Eschwege, Fürst Neuwied, Spix und Martins,sowie Prinz Adalbert von Preußen, welche Humboldts Beispiel folgend, Brasilien bereisten;I. I. Tschudi, der außer in den brasilianischen Ländern auch in Peru reiste; Wagner und Scherzer,die Mittelamerika durchforschten; Barth und Overweg (seit 1849), der unglückliche, 1856 inWadai ermordete Vogel, Beurmann, Rohlfs, Nachtigal, Schnitzer und Wißmann, welche iminneren Afrika Forschungsreisen von bedeutenden Erfolgen durchführten; Prokesch (von Osten),Rüppell, Heuglin, Munzinger, Schweinfurth und Junker, die in das Gebiet des rätselhaften Nilund in die östliche Alpenwelt des „dunkeln Erdteils" eindrangen; Lichtenstein, der das Kap-land bereiste; Siebold, der in dem früher abgeschlossenen Japan, und Freiherr von Richthofcn,welcher in dem noch länger sich abschließenden China Reisen machte; die Bruder Schlagintweit,welche Indien durchzogen und die furchtbaren Schneewüsten und Eiskämme des riesigenHimalaja und seiner nördlichen Nachbargipfel erstiegen. Leichhardt verschwand im trostlosenInneren Australiens; Dieffenbach und Hochstetter erforschten unser Antipodenland NemSeeland;der Schweizer Zollanger die Sunda-Jnseln. Die eisigen Rätsel des Südpols umkreiste Bellings-hausen, und neuere Forscher drangen nach dem Nordpole vor, doch bisher ohne ihn zu erreichen.
Mit dem Zwecke, die erhabene Bergwelt der Heimat der Wissenschaft zugänglich zu machen,entstanden seit 1862 der schweizerische und der deutsch-österreichische Alpenverein, woraus sichauch ein leider mit vielen erschütternden Unglücksfällen verbundener weltmännischer Sportentwickelte.
Das Streben, die heimischen und die fremden Gebiete im Bilde festzuhalten, rief groß-artige Fortschritte in der Kartenzeichnung hervor, so z. B. in der Schweiz, die überdies inder Kunst des naturgetrcuestcn Bildes der Erdoberfläche, des geographischen Reliefs, Aus-gezeichnetes leistete. Unübertroffen stehen bis jetzt die technischen Arbeiten der kartographischenAbteilung des preußischen Generalstabcs da. Zu den topographischen Karten traten die physi-kalischen und historischen sowie die, besonders von Sydow geschaffenen, vortrefflichen Schnl-karten hinzu, welche die natürlichen Verhältnisse von den politischen Einteilungen unabhängigdarstellen. Mit alledem hängt auch die Erhebung der Erdkunde zur Wissenschaft zusammen.Dieselbe ist das Werk von Humboldts großem Zeitgenossen Karl Ritter (1779—1859), dessen1817 begonnene „Erdkunde" infolge ihrer ungeheuer weitgreifenden Anlage zwar unvollendetblieb, der aber, was die tiefere Durchdringung der neuen Wissenschaft betrifft, in von Roon,Kiepert, Petermann, Peschel und Ratzel glänzende Nachfolger gefunden hat.
Die unermeßlichen Welträume durchforschten, wie im vorigen, so in diesem Jahrhundert,neben fremden auch viele deutsche Astronomen. Ohne Fachmann zu sein, hat Kant, unabhängigvon dem Franzosen Laplace, dieselbe Ansicht wie dieser über die Entstehung des Sonnensystemsgeahnt. Von dem Mathematiker Gauß erhielten die Astronomen die wichtigsten Anleitungenzu ihren Beobachtungen, mit deren Hilfe seit 1802 Olbers, Harding und Hencke zur Ent-deckung des Heeres der Asteroiden den Anstoß gaben. Galle in Berlin wurde im Jahre1846 neben dem Pariser Leverrier Mitentdecker des von der Sonne am weitesten, nämlich4470 Millionen Kilometer entfernten Planeten Neptun, den bereits Bessel (1784—1846),der erste Gelehrte, welcher die Entfernung eines Fixsterns von der Sonne maß, geahnt hatte.Encke beschäftigte sich besonders mit den Kometen. Die zur Beobachtung des Himmels erfor-derlichen Instrumente vervollkommnete Josef Fraunhofer in München (f 1826). Der Phy-siker Kirchhofs und sein Freund der Chemiker Bunsen in Heidelberg begründeten in derSpektralanalyse ein Verfahren, die Himmelskörper auf die Art ihrer Bestandteile zu untersuchenund lauschten damit den Gestirnen des Weltalls etwas von ihren Geheimnissen ab.
Der Mediziner Robert Mayer aus Heilbronn erforschte die Beziehungen zwischen Kraftund Wärme und wurde der Begründer der mechanischen Wärmetheorie; 1842 fand er dasMeter-Kilogramm als Einheitsmaß der von einer Kraft geleisteten mechanischen Arbeit.Schweigger entdeckte den Galvanometer, Ohm, Theodor Fechner und W. Weber die Gesetzeder Elektrizität. Helmholtz, dem die Heilkunde die Erfindung des Augenspiegels verdankt,entwickelte die Theorie der Tonempfindungen. Auf dem Gebiete der Chemie waren Mitscher-lich, Wühler und Liebig von vielseitiger und erfolgreicher Thätigkeit.