iio
Viertes Capitel.
des Malers Peter Paul Rubens in London (Juni 1629) ge-boten.
Rubens konnte sich vor der Welt einzig als Künstlergeben, dessen Verkehr mit dem Hofe eines kunstfreund-lichen Herrschers nichts auffälliges hatte; doch er war beiseinem Abgang von Madrid zum Secretär des niederländi-schen Geheimraths ernannt und mit Instructionen versehenworden, die sich auf Verhandlung eines englisch-spanischenFriedens bezogen. Als Diplomat nicht minder glücklich undgeschickt, denn als Maler, brachte es Rubens bald fertig, dieSchwächen und Bedrängnisse des Herrschers, an den seinAuftrag ging, mit gutem Erfolge auszunützen. Die von ihmeingeleiteten Unterhandlungen nahmen einen günstigen Ver-lauf : nach kurzer Frist wurde spanischerseits beschlossen,einen Botschafter behufs endgiltiger Abmachung des Friedens-geschäftes nach London zu senden. Die Sendung verzögertesich, weil die Wahl der hiezu bestimmten Persönlichkeitauf Widerspruch seitens der englischen Regierung stiessund desshalb geändert werden musste — vielleicht auchaus dem Grunde, weil später, als man über die Personen-frage schon übereingekommen war, eine neue Schwierigkeitauftauchte: es hielt nämlich schwer, dem als Botschafterdesignirten Don Carlos de Coloma in London Quartier zumachen; die Londoner Hausbesitzer weigerten sich, demVertreter des bei den Puritanern verhassten Spanien eineWohnung einzuräumen 1 . Erst im Januar 1630 landete DonCarlos de Coloma in Dover.
Er und Rubens gingen nun gemeinschaftlich ans Frie-denswerk; doch ihre ersten Schritte zeigen, wie klar siesich darüber geworden, dass Carl I. alles Haltes im Volkeentbehre und darum von fremden Diplomaten eine nichtsweniger als achtungsvolle Behandlung ertragen müsse. Diebeiden spanischen Abgesandten nahmen es mit demHoheits-
1 Depeschen des Venez. Botschafters Giov. Soranzo, Lond. 24. Aug.und 2. Nov. 1629. Yen. Arch.