Buch 
Oliver Cromwell und die puritanische Revolution / von Moritz Brosch
Entstehung
Seite
424
JPEG-Download
 

424

Dreizehntes Capitel.

hatte. So reihte sich Glied an Glied in der Kette der Er-scheinungen, während das Ding an sich, welches den Er-scheinungen zum Grunde gelegen hat, die Militärherrschaftwar. An dieser zu rütteln, war von vornherein ein aus-sichtsloses Beginnen: selbst Cromwell, dem das Heer zu-weilen unbequem wurde, hat umsonst versucht und immerwieder von neuem versucht, mit Parlamenten zu regieren,nicht um das Heer aus seiner ersten Stelle zu verdrängen,sondern um die alleinige Herrschaft desselben zu mäßigenund ihr also Dauer zu verleihen. Und was Cromwell nichtvermocht hat, das wollte dieses sein Parlament gegenCromwell durchsetzen. Es konnte nichts anderes bewirken,als dass der Lord Protector und die Armee sich um soinniger zusammenschlossen.

Das Parlament wählte Lenthall zum Sprecher, denselben,welcher das gleiche Amt im langen Parlamente versehenhatte. Diese Wahl erfolgte, wie aus dem Tagebuche einesder Mitglieder erhellt 1 , einstimmig; hierauf aber hatte esmit der Einstimmigkeit ein Ende. Die Parteien maßenihre Kräfte und die zu Cromwells Regierung stehendePartei verblieb in der Minderheit. Am n. September wardmit 141 gegen 136 Stimmen beschlossen, dass im Plenodes Hauses die Frage zu erörtern und entscheiden sei: obdas Haus seine Genehmigung dazu ertheile, dass die Re-gierung in Händen einer einzelnen Person und des Par-laments ruhe. Dem Votum lässt sich durchaus keine andereBedeutung zuerkennen, als dass es den Rechtsbestand desProtectorats von der souveränen Entschliessung des Par-laments abhängig machen sollte, während doch der Rechts-bestand des Parlaments daraus herzuleiten war, dass dieWahlen vom Protector angeordnet worden und die Wählerdieser Anordnung als einer rechtsgiltigen Folge geleistethatten. Die den Beschluss gefasst, bewegten sich demnach

1 Guibon Goddards Diarv of the Parliam. for 1654 bei T. Burton ,Diary ed. Rutt, Lond. 1828 I, Introd. pp. XVIII ff.