Krieg mit Spanien, Bund mit Frankreich.
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festen Fuss fassen wolle. Als im Februar 1658 ein Agentder Exkönigin Christine in London erschien, wusste Gia-varina, der venezianische Geschäftsträger daselbst, schondavon zu berichten, dass die Königin dem Protector dieEroberung von Neapel vorgeschlagen habe: sie unterhaltedort Verbindungen durch das Mittel neapolitanischer, inihrem Dienste stehender Flüchtlinge, und da sie kein anderesGeschäft in London zu besorgen habe, werde angenommen,dass die Sendung ihres Agenten eben diesem Zwecke gelte.Man merkt aus Giavarinas Worten die Befriedigung, diees ihm gibt, wenn er wenig später vermelden kann: Chri-stinens Sendbote könne von Cromwell nichts erlangen 1 .Nachdem aber Dünkirchen gefallen und König Ludwig mitdem Verzichte auf den »fetten Bissen«, als den man es amfranzösischen Hofe bezeichnete, dem Protector im Wortegeblieben war, steigerte sich die Unruhe, die Angst überTragweite und Actionskraft des englisch-französischenBundes, der an Festigkeit, an sichtlich wahrnehmbarer In-timität gewonnen hatte. Mittelst Ducalschreiben vom 20.und 27. Juli ward Giavariüa in Kenntn'iss gesetzt, dass dieFortschritte der Engländer in Flandern den römischen Hofmit Besorgniss erfüllen, dass an diesem Hofe die Rede gehe:zwischen Frankreich und England sei das Übereinkommengetroffen, nach der Einnahme von Gravelines sofort zueinem Angriff auf Portoiongone zu schreiten. Was derfreilich etwas leichtgläubige und leicht zu allarmirendeGiavarina darauf antwortet, ist doch sehr bezeichnend fürdie Stimmung der diplomatischen Kreise und die Vor-stellungen, die man sich in denselben von Cromwell alsFührer und Schwertträger eines erobernden Protestantismusgemacht hat. Giavarina schreibt, Dep. vom 23. August:
»Ob in den Vereinbarungen mit Frankreich eine solche (autPortolorgone zielende) Bestimmung vorkommt, darüber lässt sich dieunzweifelhafte Wahrheit nicht ermitteln. Ich kann jedoch Ew. Herr-
Depeschen Fr. Giavarina, London 1. Februar und 1. März.