Buch 
Oliver Cromwell und die puritanische Revolution / von Moritz Brosch
Entstehung
Seite
514
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Sechzehntes Capitel.

D4

Ökonom seiner Zeit vorauseile; aber es scheint doch, dassihn damals nur vorübergehend ein Lichtstrahl erleuchtetund alsbald die Finsterniss umfangen habe, die in volks-wirtschaftlichen Dingen das Loos der Zeitgenossen war.

Mit der jüngsthin erfolgten Bezwingung der Feindeim Innern und den bald darauf erfochtenen Siegen überdie auswärtigen Feinde schien das Protectorat sich neuer-dings befestigt zu haben; doch es war bei allem Glanze,der es umgab, nur auf zwei Augen gestellt, und diesesollten in nächster Zeit für immer geschlossen werden. DieCromwell zugemessene physische Lebenskraft brach endlichzusammen unter der Last, die auf sie gelegt worden: desLord Protectors Tage waren gezählt. Zu den Sorgen undBeängstigungen, die vermöge seiner Stellung auf ihn ein-stürmten, den peinlichen, nervenerschütternden Vorsichts-maßregeln, die er um seiner persönlichen Sicherheit willenergreifen musste, trat ein tiefer, nagender Seelenschmerz,welcher den Eintritt der Katastrophe beschleunigte. LadyElisabeth Claypole, die Tochter Cromwells, die man gewöhn-lich als sein Lieblingskind bezeichnet, erlag den 6. Augustin ihrem 29. Lebensjahre einer tückischen Krankheit, dieüber einen Monat sie an's Bett gefesselt hätte. Der'Vaterwar Tag und Nacht nicht von ihrem Schmerzenslager ge-wichen: Anstrengung und Gram, trügerische Floffnung einerGenesung und schliesslich bittere Enttäuschung haben seinenbereits geschwächten Organismus vollends zerrüttet. Am12. August erkrankte Cromwell an intermittirendem Fieber,das einen milden Verlauf zu nehmen schien: er konnte inden Zwischenräumen von einem Paroxismus zum andernden Geschäften nachgehen, sogar ausreiten. Aber nachden ersten Anfällen wurde das Übel stärker und mächtiger,während die Widerstandskraft des Organismus sichtlichdahinsank; die Schwäche nahm zu, das regelmäßig wieder-kehrende Fieber steigerte sie auf einen bedenklichen Grad.Am 28. bereits erklärten die Ärzte den Fall für hoffnungslos,und sie behielten Recht: der Zustand des Kranken ver-