189
Hätte diese unverschämte Minorität den Sieg erlangt, dannwar es aus mit Rom, mit dem Vaterlande und der Freiheit.Man hat uns für das Schwert der Meuchelmörder bestimmt;allein wir wissen, daß auch Liberi us Gracchus durchdie Hand eines irregeleiteten Volkes umkam, daser doch stets vertheidigt hatte. Sein Loos hat nichtsErschreckendes für uns, unser ganzes Blut gehört dem Volke;wenn wir es für dasselbe vergießen, so werden wir nur be-klagen, daß wir nicht noch mehr haben, um es ihm anzu-bieten. Sie sagen, es sei den Catilinas um die Herr-schaft in dem Senate zu thun. Doch nein, sie sind feig,unsere Mörder, sie sind feig, unsere kleinen Marius, ge-nährt im Schlamme des Morastes, in welchem sich dieserTyrann eines Tages verbergen mußte." ')
Um die Wirkung der Rede Vergniauds zu neutralistren,ruft Jean-Bon-Saint-Andre aus: „Auch Catilinasprach von der Souveränetät des Volkes, in ihremNamen zettelte man Verschwörungen gegen die Freiheit an."
Dubois-Cranco schloß seine Rede ganz in dem antikenStyle, indem er sagte: „Rächen wir unser Vaterland an demTyrannen, der es knechten wollte. Dann wollen wir demVolke sagen: Nun lasse unsere Köpfe aus die Schaffote fliegen,wir werden den Göttern danken, denn wir haben dasVaterland gerettet."
Der Konvent scheint noch unentschlossen. Da besteigtGensonno die Tribüne, spricht sich für Vergniauds Ansichtenaus und greift die Deputirten des Berges an, die sich mitihrem Republikanismus und ihren Diensten brüsteten, und ruftaus: „Wenn sie zur Rettung der republikanischen Sache bei-getragen, so haben sie es, wie die Gänse des Capitols,aus Instinkt gethan." Beweise, Epigramme, Alles ist denklassischen Autoren entnommen; sie kennen, sie achten keineanderen. An wem liegt die Schuld?
1) Moniteur, ebend. — 2) Ebend.