Band 
[1. Band.]
Seite
240
JPEG-Download
 

240

genden besessen? Mit Nichten. Die Meisten von ihnen hattensich in ihren Departements durch Gemeinheiten um ihren gutenRuf gebracht und mußten sich diese neue Namen beilegenund den äußeren Anschein des Patriotismus geben, um inParis Stellen zu erschwindeln'und die Republik zu bestehlen!Glaubt Ihr, die Leute, die mit dem Namen des Sokrates ge-schmückt vor Eure 'Schranken traten, hätten den Giftbecher,wenn er ihnen gereicht worden wäre, geleert? Nein, gewißnicht. Nicht die Namen der berühmten Männer des Alter-thums muß man sich beilegen, sondern ihre Tugendenmuß man nachahmen, solche sogar, wo möglich, nochübertreffen." ')

Trotz der Rede Breard's, die vom Konvente mit lautemBeifalle aufgenommen ward, beeilten sich doch die Brutus undPublicola keineswegs, ihre berühmten Namen abzulegen. Wirwollen unter vielen anderen nur folgenden Beweis mittheilen.Unter den in die Departements abgesandten Kommissären,welche die Kreaturen Robespierre's aufsuchen sollten, befandsich auch der späterhin Präfect von Allier gewordene Guil-lemardet, Mitglied des Konvents. Das Decret des Kon-vents vom 14. Frimaire des Jahres III weist ihm Seine undMarne, Uonne und Nisvre an. Bei seiner Ankunft in Niedrewar es seine erste That, den Gemeinderath einzuberufen. DerKommissär, von seinem Secretär und einigen Gensd'armenbegleitet, empfängt die Gemeinderäthe im großen Saale desSchlosses und beginnt mit dem Namensaufruf. Er wendetsich an den Ersten mit der Frage: „Wie heißest du?" —„Mutius Scävola." — „Und du?" — „Brutus." — „Unddu?" — „Balerius Publicola." — „Und du?" — „Epaminondas."— „Und du?" — „Cincinnatus."

„Gensd'armen!" ruft Guillemardet, „verhaftet mir allediese Fremden!"

1) Mvniteur, 6. Fruct. des Jahres II. — Seht, wohin es mil allendiesen Christen gekommen ist!