Band 
[2. Band.]
Seite
221
JPEG-Download
 

221

beschäftigt. Als man ihm bemerkte, er verfahre zu rasch mitseinen Verurtheilungen, erwiederte er: „Bah, bedarf esso vieler Beweise? Man wirft sie in's Wasser,das geht viel schneller."

Er tritt auf einen öffentlichen Platz, erblickt eine Frauan einem Fenster und läßt auf sie feuern; vier Menschen läßter lebendig begraben. Als Preis für die Freiheit der Bäterverlangt er die Ehre der Töchter zum Opfer; drei Frauenopfert er seiner Wollust und läßt sie hierauf guillotinireu. Ernennt sich den Schlächter des Konventes und fagt, daßer gerne auch sein Scharfrichter sein werde. Er erfindet einBoot mit Ventilen um seine Opfer im Wasser umkommen zulassen, ertränkt drei Tausend kleine Kinder, ertränkt ohne Unter-t scheidung und ohne Urtheilsspruch die Priester, Greise undE Frauen, so daß Augenzeugen die Zahl der von Carrier er-« würgten Opfer zu neuntausend angeben.

Das Volk hat kein Brod; man sagt Carrier, er müssefür die Herbeischaffung von Lebensmitteln Sorge tragen. DerProconsul, der wie ein Schweiger lebt, erwidert: „Demersten Spitzbuben, der mir noch einmal von Lebens-mitteln spricht, lasse ich den Kopf abhauen. Ichhabe euere Sottisen nun gerade satt!" DieseDrohung thut er, mit dem Säbel in der Hand. „Ich undmeine Kameraden," sagt ein als Zeuge vorgeforderter Soldat,der Schildwache gestanden hatte, „sahen am 2. Brumairezwischen elf und zwölf Uhr Nachts mehr als achthundert Per-sonen beiderlei Geschlechtes, die man auf eine unmenschlicheWeise ausgezogen, ertränkt, in Stücke zerschnitten und erschossenhatte. Ihre Kleider und sonstige werthvolle Habe wurdenam andern Tage von ihren Henkern verkauft." Während manseine Opfer erwürgt, verschwelgt der Proconsul die Nacht inOrgien; sein Haus war ein Serail. ')

1) Monit.; die Verurtheilnng Carrier's, aus welcher alle dieseEinzelheiten entnommen sind, 28. Oktober 1794 u. s. w.