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[2. Band.]
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Wie dem auch sein möge, d'Alembert hört nicht auf, mitallen Generationen des Collegs seit drei Jahrhunderten bisauf unsere Tage, immer wieder zu sagen, daß das Mittel-alter eine Zeit der Barbarei ist, daß das Christenthum wedereine Literatur, noch Künste, noch eine Philosophie hat. Kraftder steten Wiederholung bei der Jugend sind diese plumpenLügen heute in den Köpfen festgewurzelt. Und dennoch, dieWahrheit ist, daß das Christenthum seine Literatur, seineMalerei, seine Sculptur, seine Musik, seine Künste und seinePhilosophie hat, und zwar unvergleichlich reicher, mannigfal-tiger, schöner, unsern geistigen und moralischen Bedürfnissenentsprechender, als die des schönen Alterthums: das Objectallein ist ein anderes. Die heidnische Literatur und jene derRenaissance, welche aus ihr hervorgegangen, üben sich anGegenständen der materiellen Welt: sie haben zum Gegenständeden materiellen oder einfach vernünftigen Menschen, seine Ge-fühle, seine Interessen, seine Freuden, seine Leiden, vornehm-lich seine Leidenschaften, ohne jemals diese Verhältnisse oderdiese Thaten des irdischen Lebens mit dem überirdischen Lebenzu verknüpfen. Alles beschränkt sich, wie im Heidenthum, aufden engen Horizont der Zeit.

Die heidnische Kunst und die Kunst der Renaissance, ohneüberirdische Inspiration, beschäftigen sich einzig damit, daswiederzugeben, was man die schöne Natur nennt. Undin Folge dieses Princips ist das himmlische Ideal völlig be-seitigt worden: und da die schöne Natur sich hauptsächlich imManne und im Weibe findet, so hat sich die Kunst bestrebt,nicht nur ohne Erröthen, sondern vielmehr als eine Art Ver-pflichtung gegen sich selbst, die empörendsten Nacktheiten dar-zustellen. Und um die schöne Natur in allen ihren Theilen zucopiren, bedurfte man lebender Modelle!

Und täglich verkaufen taufende von Opfern ihre Schamden gebieterischen Forderungen der Kunst! Und die Schänd-lichkeiten, welche im Innern der Ateliers verübt werden,stellen sich in der Malerei, in der Sculptur, in der Stein-