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Welcher Christ, fügen wir hinzu, wird es jemals denkatholischen Mächten verzeihen können, durch den westphälischenFriedensschluß von 1648 die alte Politik des christlichenEuropa feierlich abgeschworen und der katholischen Kirche denrohesten Faustschlag, den sie je empfing, durch die Substitutiondes Naturrechts an die Stelle des christlichen Rechts, Lurchdie Einführung des Laienprincips der allgemeinen Säkulari-sation in die europäische Politik und durch das Zugeständnißderselben Rechte an die Häresie, wie an die Wahrheit selbst,versetzt zu haben? ')
Ludwig XIV. begnügt sich nicht, diese heidnische PolitikMacchiavel's selbst zu befolgen, er lehrt sie auch seinem Sohn.„Wenn man sich," sagt er zu dem Dauphin, „von der strengenBeobachtung der Verträge in gleicher Weise entbindet, so han-delt man nicht ihnen zuwider, weil man die Worte desVertrages nicht buchstäblich genommen hat, ob-schon man keine andere als eben diese anwendenkann; es verhält sich damit ebenso, wie mit den Komplimen-ten, die man sich in der Welt macht, die im geselligen Lebenunumgänglich nothwendig sind, aber eine viel geringereBedeutung haben, als sie ausdrücken.... Je ungewöhnlicher,je öfter wiederholt und je vorsichtiger die Clauseln waren,mittelst deren die Spanier mir verboten, Portugal beizustehen,um so mehr zeigten dieselben, daß man nicht geglaubt hatte,ich müsse mich dessen enthalten."
Auf Grund dieser Principien sieht man Ludwig XIV.nach dem Morde Karl's I. gleichzeitig mit den Königsmördernund mit dem Könige unterhandeln. Er stellt sich hierin demDauphin als Muster auf: „Ich schonte die Reste der ParteiCromwell's, um durch sie irgend eine neue Verwirrung in Lon-don hervorzurufen."
t) Kirchengeschichte, Thl. XXV. S. 543.
L) Instruktionen für den Dauphin, Thl. I. S. 66, 68.3) Ebendas. Thl. II. S. 203.