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Zürich und seine Umgebungen : ein Almanach für Einheimische und Fremde / G. Escher
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(Vogteienj und wurde sogar für schnell zu treffende Verfügungenzum Provisionalorte bestellt. Die Ausschreibung von Gutsteuern(Vermögenssteuern), die theils durch die Sicherheitsanstalten,welche die Nähe des Kriegsschauplatzes während des dreißigjährigenKrieges erheischte, theils durch die Erbauung der Festungswerke nöthiggeworden waren, erregten in den Zabren 16151616 in verschie-denen Gegenden des Cantons Aufstände, welche mit Gewalt unter-drückt und deren Urheber mit großer Strenge bestraft wurden.Dennoch trugen Zürich's bewaffnete Schaaren im Jahr 1653 indem sogenannten Bauernkriege, der sich über die Cantone Bern,Luzcrn, Solotburn, Basel und die Freiämtcr verbreitete, wesent-lich zur Unterdrückung jener Anfstrebungen bei. Dagegen scheinendie Waffen der Zürcher in dem, im Jahr 1655 ausgebrochenen,Rapperschwciler oder Toggenburger Kriege durch die Schuld ihrerAnführer nichts Großes geleistet zn haben, und in dem geringenEifer, den Zürich in dem 1712 ausgebrochenen Zwölferkriege zeigte,ist die erste Quelle des Mißtrauens zu suchen, mit welchem Bernauf lange die Schritte des Vorortes beobachtete.

Schon in der zweiten Hälfte des XVII. und zu Anfang desXVIII. Jahrhunderts suchte die Regierung Zürich's ihre Präro-gativen allmälig auf Unkosten der Regierten auszudehnen. Eswurde der Zutritt zum Stadtbürgerrrchtc gänzlich geschlossen undselbst Versuche gemacht, eine Familienaristokratie einzuführen, dieaber mißglückten. Im Jahr 1713 veranlaßte eine Bewegung unterder Stadtbürgerschaft die Zurückführung der auf die Grundlagedes Zunftwesens und städtischer Demokratie gestützten Verfassung,da die Regierung in dem eben beendigten Toggenburger- oderZwölferkriege ihre Schwäche zu deutlich beurkundet hatte; jedochnahm die Landschaft an diesen Bewegungen keinen Theil. Baldfand die neue Regierung durch weise Sparsamkeit die Mittel, ohnedirecte Belästigung des Volks viele nützliche Anstalten zu gründen,und machte sich durch milde Verwaltung dem größer» Theile desLandes beliebt. Für die geistige Entwickelung des Volkes zu sor-gen , hielt man dagegen weder für pflichtgemäß, noch für wohl-gerathen. Aber wohl noch mehr als diese Hemmung der geistigenAusbildung weckte der Hinblick auf den immer mehr sich vergrö-ßernden materiellen Wohlstand der Stadt den Keim der Unzufrie-denheit vorzüglich unter den Bewohnern der nahen Seegegenden,zumal ihnen die Möglichkeit der Nacheiferung abgeschnitten war,