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geben wird. Stirbt ein Kind im Waisen Hause, so fallt seinSpargut demjenigen der übrigen minorennen Zöglinge zu, undwird auf alle gleich vertheilt. Beim ordentlichen Austritt einesZöglings aus der Anstalt wird derselbe mit einer ganz neuen voll-ständigen Tuchbekleidung, 2 neuen Hemden, 2 Paar Strümpfen,1 Paar neuen Schuhen und 10 fl. an Geld für Anschaffung einesHutes u. s. f. ausgesteuert, wahrend die Mädchen eine neue Kleidungvon Wollenzeug, eine von farbigem Camelot und eine schwarze Klei-dung von Merino , 6 Hemden, 6 Nastücher, l Fürtücher, 1 Unter-rock, 2 weife Halstücher, 6 Paar leinene und 1 Paar baumwolleneStrümpfe und 1 Paar neue Schuhe erhalten. Auch nach voll-endetem Schulunterricht sorgt die Anstalt für die weitere Berufs-bildung ihrer Zöglinge, wobei Anlagen und Neigung, so wie an-derweitige Verhältnisse nach Umständen berücksichtigt werden. Diebedeutenden Kosten werden im Allgemeinen aus dem Vermögender Anstalt bestricken; nur da, wo Waisen einiges Vermögen be-sitzen, soll ein angemessenes Kostgeld von denselben gefordert, eineQuote des Kapitalvermögens der Zöglinge jedoch nur zum Be-huf der Berufsbildung in Anspruch genommen werden können.Reichen der Ertrag deS Vermögens, die übrigen Einnahmen nebstden Kostgeldern und allfälligcn Geschenken zur Deckung der Jahres-ausgaben nicht hin, so wird das Mangelnde auf Anordnung desStadtraths aus andern städtischen Fonds gedeckt. Laut amtlicherRechnung beträgt das Vermögen des Waisenhauses mit l. Jan. 18383l2,723 fl. 2i fi. 10 hlr.; die jährlichen Einnahmen belaufen sichauf circa 22,000 fl., die Ausgaben auf circa 16,000 fl. Die seitder Stiftung des Waisenhauses (1637) demselben bis jetzt von edlenMitbürgern gemachten Legate betragen ungefähr die Summe von250,000 fl. Möge auch diese Anstalt sich eines weiter» segens-reichen Gedeihens und der fernern freigebigen Unterstützung wohl-thätiger Menschenfreunde zu erfreuen haben!
Das Pfrundhaus zu St. Jakob vor der Sihlbrücke, einst einsogenanntes Siechenhaus. Seine Stiftung reicht bis in's XII. Jahr-hundert hinauf, wo als Folge der damaligen Kreuzzüge und desAussatzes, den die aus dem Morgenlande Heimkehrenden nachHause brachten, solche Absonderungs- und Pflegehäuser für dieAussätzigen überall Bedürfniß wurden. Nach der Reformationwurde das Gebäude als Pfrundhaus für alternde Personen bestimmt. Gegenwärtig befinden sich in demselben 37 Pfründer. Die