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dem Kirchhof war, ausrief: Tod! ich bin schon begraben. —Viktor und Emanuel gingen unter dem Geläute der zwölftenStunde nach Hause und vor einem Hügel vorüber, woran dasTodteugebein beklemmt saß: es bohrte sich die linke Hand, wornachder Tod griff, tief unter die Achsel. „Brrr!" sagt' es schüttelnd zuEmanuel. „Er hat Dich, aber mich nicht! Lauter Moder hängtan Dir 'runter! Die Augen sind weg! Brr!"
Die Worte der Wahnsinnigen sind dem Menschen, der an derPforte der unsichtbaren Welt horcht, merkwürdiger als die desWeisen, so wie er aufmerksamer den Schlafenden als den Wachen-den, den Kranken als den Gesunden zuhört. Viktor's Bluterstarrte unter dem eiskalten Griff in sein warmes Leben. Dastolle Gebein rannte fort, die linke Hand mit der rechten verbauend.Viktor nahm seines Freundes linke, blickte zur warmen Sonneauf und suchte sich zu verberaen und zu erwärmen und konntenichts sagen. Unten am tiefblauen Himmel rauchten kleine Nebelauf, die Keime eines Abendgewitters, und in der schwülen Luftflog nichts als Gewürm.
Emanuel war stiller und fast ängstlich; aber es war nichtdie Bangigkeit der Furcht, sondern jene Bangigkeit der Erwartung,mit der wir allemal auf die Falten und Bewegungen des Vor-hangs großer Szenen blicken. Die stechende Sonne erhielt dasPaar zu Hause. Dem vom schwülen Dunstkreis gedrückten Emanuelwurde fast der letzte Nachmittag zu lange. Aber sein Freund sahin diesem Dunstgewölbe immer em moderndes Angesicht hängen,das sich in das geliebte frische einzuarbeiten schien, und immerhört' er das tolle Todteugebein in seine Ohren sagen: „SeineAugen sind 'raus!"
In der schwülen Stille, wo die Sonne die Minirgänge desDonners grub und lud, und wo die zwei Freunde vor den Ohrendes blinden Julius nur mit Blicken von der heutigen Zukunftreden durften, stand gegen 4 Uhr ein fächelnder Abendwind auf,der alle hängende Flügel und Häupter erfrischte. Emanuelließ diese kühlen Wogen herein, die einwiegend und beruhigendüber die gebückten Blumen am Fenster liefen und an den schwan-kenden galten der Vorhänge mederflossen und verirrt durch dasduftende Laubwerk des Zimmers plätscherten. Da kam eine unend-liche Stille, eine auflösende Wonne, ein unaussprechliches Sehnenin Emanuel's Herz. Seine Kindbeitsfrcuden — die Züge seinerMutter — die Bilder indischer Eesilde — alle geliebte verstäubteGestalten — der ganze gleitende Widerschein des Iugendmorgcnsfloß vor ihm glimmend vorüber — eine wehmüthige Sehnsuchtnach seinem Vaterland, nach feinen gestorbnen Menschen dehnte