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Briefe u. öcvorll. Lel>en«ka»f.
Tag zu Grunde richten müßte. Man genießt die Natur nie ganz,wenn man irgendwo — und wär's zum nächsten Pfahl — hin-will, oder aus irgend eine Sache — und wär's eine Geliebte —'ausläuft, sondern man lasse sich, wie ein schlafender Sckwan da-hinzugehen, von ihren Wogen drehen und führen. O, warum fängtder Mensch im Leben das Leben von Neuem an und glaubt nurdie Zukunft begütert und das Jetzt verarmt? Warum schiebt erden Zeitpunkt, wo er von der Zukunft nichts begehrt als dessenFortsetzung, ins Alter hinaus, wo er nur aus Mangel an Zukunftsich mit dem Jetzt abspeist? —
Aber schaue lieber in unser volles helldunkles Thal, gleichsamin eine verlängerte Laube, in ein blühendes Souterrain des Früh-lings. Wir gehen an einem durchs ganze Tbal hinauf redendenBach und treten bald in den Schatten, bald in den Glanz undgehen durch vergoldete, in den Lüften streitende Heere, durchfliegende Lieder und durch schweifende Freudcnrufe und Lockungen-An der schönsten Stelle, wo etwan der Bach sich selber einenrunden stillen glatten Hafen baut, muß sie ausruhen! wir könnenauch sitzend leichter ein Wort reden und uns ansehen. Wie unsdie Welt so freundlich und friedlich mit einem Ringeltanz freudigerKinder umgiebt!
Wir sind so beruhigt, daß ich das Buch, das ich zum reizen-den Wechsel zwischen Lejen und Reden eingesteckt, herausziehe: esbetitelt sich „Jean Paul's Briese". Aus Abneigung gegeneignes und fremdes Vorlesen bitt' ich Rvsinette, das Buch so ans-einandergebrochen zu halten, daß beide Schalendeckel sich berühren,weil ich, da ich schneller bin, die untere zweite Seite lesen will,indeß sie noch an der ersten studirt. Ich bin den Augenblick ferügund schaue dann müßig, unter das Buch gebückt, hinauf in «mhalbgeschlosscnes gesenktes Auge, das sie, weil sie mich schon mnWenig kennt, ungemein liebreich zuweilen wie einen Himmel gegenmich aufschlägt, damit ich etwas habe. Aucb ergreift die reizendeDichtung darin „Luna am Tage" sie in der That. Dann les >ckwieder mit ihr, geschmiegt an ihren linken Arm, die obere Seiteund bin wieder gleich herunter — verzeih mir der treffliche Autorder Briese dieses leichte Wesen! — und schaue sie in den Fern'"durch die Locken und dann von der Seite an und hänge an dernahen jung- und zartgemalten Wange und an den sein zusammen-laufenden Echönheitolinien Les halben Knospenmundes —-liest ernst fort, als seh' sie nickt Alles — ick lehne mich ein Weiugvor und erprobe und sichte durch Lächeln den verstellten lernst 7^die Purpurlippen stemmen sich gegen das innere Lächeln: aoeendlich zerfließen sie eilig ins äußere — und sie legt das