Band 
Zweiter Band.
Seite
402
JPEG-Download
 

402

der Westgrenze die Eidgenossen empfindlich berühren mußte, waren sie beimFriedensschlüsse ohne jeglichen Einfluß. Dagegen benutzte der spanische Ver-mittler Castel-Rodrigo die Gelegenheit, durch Verzicht auf 12 feste Plätze in denNiederlanden den Holländern Schwierigkeiten zu bereiten. Anderseits tvolltendie Franzosen vor ihreni Wegzug die Salinen der Freigrafschaft zerstören, umdamit natürlich die Salzausfuhr in die Schweiz zu vernichten. Inzwischen ver-stand es der französische Resident Mouslier in Solothurn , die einzelnenOrte, tvie z. B. Freiburg durch Aufhebung der Handelsprivilegien zu schädigen,so daß im Jahre 1670 Solothurn , Bern und Freiburg sich entschlossen, nurfranzösisches Salz zu kaufen.

Ungern genug hatte sich Ludwig XIV. durch die Tripelallianz England,Holland , Schweden in seinen Absichten auf die Niederlande und die Franche Comte gestört gesehen. Er gedachte dafür Rache zu nehmen und seineeinmal gefaßten Pläne doch zu verwirklichen. Dies geschah imholländischenKrieg" 16721678 und 1679. Bald nach Beginn desselben, im Januar1673, erschien ein neuer französischer Gesandter in der Schweiz , Marquisde St. Romain, ein geschickter und von seinem König sehr geschätzterDiplomat; aber von den Schweizern schrieb er nach Paris :Ici ce nestque crasse et hasse avarice. Dank dieser schönen Eigenschaft standenihm (natürlich durch Bestechung) Landvogt Bartholomäus Schindler vonBaden, ein Herr D'Affry von Freiburg und Oberst Dicsbach von Bern alswillfährige Werkzeuge zur Verfügung. Die Spanier hatten ihrerseits unterden: neuen Gouverneur Quinones es versucht, die Freigrafschaft zu einemWasfenplatze gegen Frankreich umzugestalten. Allein die Einwohner derLandschaft, zum Teil durch den Marquis Listenais, einen französisch gesinntenEdelmann aufgereizt, widersetzten sich diesem Beginnen. St. Romain trugdafür Sorge, daß die Freigrafschaft, die durch Korn, Salz und Wein fürdie Eidgenossenschaft so ungemein wichtig war, von derselben wenig tatkräftigeHilfe erhielt. Wenig ehrenvoll benahm sich in dieser Angelegenheit Bern .An das bedrohte Burgund verkaufte es schlechtes Pulver um den höchstenPreis und erlaubte ihm geheimen Zuztlg. Frankreich gegenüber stellte es allesin Abrede. Als der Herzog von Noailles am 12. Februar 1674 in dieFreigrafschaft einfiel, versammelte sich am 25. Hornung 1674 die Tagsatzung.Sonderbarerweise nahm der spanische Gesandte Casati trotz dringender GefahrBurgunds welches damals spanisch war daran nicht teil. Bern ,das für die Waadt fürchtete, bewilligte einzig der alt verbündeten StadtBesan?on hundert Zentner Pulver, indem es die Zeugherren anwies:von dem schlechtesten Pulver, so nicht für werschafft gehalten wird,*)

*) ©tastg, Die Freigrafschaft Burgund , S. 29t.