413
und faßte Posten bei Rüti , Elgg , Kappet und Regcnsberg. Die Berner überschritten nach einer kleinen Kanonade bei Freudenau die Aare und ver-einigten sich, ohne großen Widerstand zu finden, am 24. April 1712 aufden Punkten Würenlingcn, Kaiserstuhl , Zurzach und Klingnau mit denZürchern. Eine weitere bernische Schaar von 3200 Mann ging unterLudwig von Wattenwil nach Elgg und Rüti gegen das Toggenburg. DasHanptheer Berns , 13000 Mann, marschierte von Lenzburg über Othmarsingenund lagerte sich unweit Muri den Luzernern gegenüber.
Wie zu erwarten, fand im Toggenburg die Eröffnung der Feindseligkeitenstatt. Rabholz zog den wenigen Truppen des Abtes bis Bütschwil entgegen,schlug sie und nahm deren Anführer Johannes Bollinger gefangen. Gleichwohlwürde sich Rabholz kaum behauptet und des Untertoggenburgs sich bemächtigthaben, wäre ihm nicht der Berner Oberst Groß mit Rat und Tat zurSeite gestanden. Inzwischen hatten Glarus , Basel und Schaffhausen eifrigam Frieden gearbeitet. Ihren Anstrengungen war wenigstens ein Waffen-stillstand bis zum 10. Mai 1712 zu verdanken. Da jedoch die Truppenim Felde blieben, machte sich bald großer Mangel an Lebensmitteln, zuinalbei den katholischen Orten bemerkbar. Den Evangelischen diente diese Zeitzu miluärischer Übung. Dabei lief es auf keiner Seite ohne Reibungen ab:Willading und Escher gerieten aneinander; auf der andern Seite stritten sichdie Hauptleute Alphons von Sonnenberg und Zurlaubcn über die Verwendungder Walliser Truppen. Abt Leodegar hatte auch nach dem Waffenstillstandwenig Glück. Die Stadt Wil , von Felber von Kaiserstnhl mit 4000 Mannverteidigt, mußte am 22. Mai 1712 nach vorausgegangener Beschießungkapitulieren. Felber und Landeshauptmann Häßy wurden von den eigenenLeuteil ermordet. Am gleichen Tage, da Wil fiel, flüchtete der Abt (folgendenTages auch die Kvnventualen und Beamten des Klosters) nach Mehreran(bei Bregenz ) und bald darauf nach Ren-Ravensburg. Seine Flucht bedeutetedie Einnahme der Stiftslande. Die Tage der Reformation schienen für dasStift wiedergekehrt zu sein. Am 26. Mai 1712 hielten die Berner undZürcher ihren Einzug in dasselbe. Groß war die Beute: 4000 Fuder Wein,Früchte aller Art, Vieh, Hausrat, Apotheke, die Bibliothek, Druckerei, selbstdie Glocken und Feuerspritze nahmen die Sieger. In religiösen Dingenwaren die Berner rücksichtsvoller als die Zürcher , die verschiedenen Unfugverübten. Als Opfer fielen Johann Völliger, der Anführer der katholischenToggenburger und Vogt Christoph Lieber, Verwalter von Magdenau . Beidewurden im Juni 1712 hingerichtet.
Inzwischen waren auch andere wichtige Veränderungen vorgegangen.Der Thurgau und das St. Gallische Rheintal huldigten Bern und Zürich .Tas Toggenburg strebte im Verein mit Goßan , Utznach und Gaster darnach,