r 14 Drey - «nd zwanzigster Brief.
— Und wrnn's von Geistern ist, welche Mit-tel schlagt ihr ein, um euer Vieh wieder zu heilen?
— Da ist ein für allemal nichts besser, alsder dreyfache Vaterunser: da knie ich hin zu derKuh —, nehme das Eiter in die Hände, undbethe den dreyfachen Vater unser darüber. Schaut!einige Leute haben in dem Falle so besondere Sprü-che, die mir aber nicht recht richtig scheinen.
— Habt ihr die Sprüche verstanden? —Sind sie deutsch? — Wißt ihr keinen herzusagen?
Hab sie verstanden — sind deutsch — aberLch weiß mein Seele keinen mehr — hab mir'snicht zu merken getraut; denn sie sind teuflisch.Ich habe einen Geistlichen gefragt, ob ich dieseSprüche auch gebrauchen darf? Da hat er mir'sbey Seel' und Seeligkeit verbothen; hat gesagt,der Teufel rede solche Sprüche aus den Leuten her-aus; ich sollte den dreyfachen Vaterunser fleißigdarüber bethen; denn das Gebeth kann alles. Unddas ist wahr — wahr ist'ö, — ich hab's oft schonversucht. Unterm Bethen wird's zusehends besserum die Kühe.
Nun fleng ich an sein Vorurtheil zu bestrei-ten. Ich wollte ihm begreiflich machen, daß esPosse sey, zu glauben, daß Geister seinen Stallbesuchten, und sein Vieh krank machten: — daßsiine Baldrianwurzel über der Thürschwelle, undfein Rauch von Edelraute, und Edelweiß, kindi-sches, abergläubisches Zeug seyen — daß es umSGebet allerdings eine sehr gute Sache sey; daß er
aber