Drey - und zwanzigster Brief.
Streichen eine Räude innwendig losgerissen wird,in eine Zize dringt, darum stecken bleibt, sichverwachst, und dadurch die Ursache wird, daß.die Kuh aus dieser Zitze nicht mehr milcht. Ge.schieht dieß bey einer Zize, so ist die Kuh danndreydutt, d. i. sie milcht nur mehr aus z Zi-tzen; geschieht es bey zwey Zitzen, so bleiben auchnur zwo milchende Zitzen mehr übrig, und sie istalso zweydutt. Man muß daher, wenn manbeym Melken im Streichen fühlt, daß eine Räudeauf dem Wege durch die Zitze ist, die Zitze festausstreichen, um sie, wo möglich, zur Oefnungherauszubringen. Ein sehr verständiger Landwirthsagte mir, daß bey einer seiner Kühe eine Räudegerade an der Oefnung der Zitze stecken gebliebensey; er glaubte, sie ohne Nachtheil der Kuh her-auszubringen, wenn er mit einem Bartmesser ei-nen kleinen Schnitt in die Zitze machte. Er thates, und brachte dadurch auch die Räude aus derZitze; aber das Uebel ward dadurch nicht gehoben;denn diese Zitze hielt jetzt die Milch nicht mehr,die beständig bey ihr auslief.
Nicht so bedeutend ist es, wenn die Kühean den Eitern aussenher kleine Räuden bekommen,und die Eiter springen, wie etwa die Lippen beyMenschen, die wahrend starken, und kalten Win-den reisen. Dieß Uebel befällt meistens die Kühe,die auf den Alpen im Freyen sind; die Eiter wer-den auch von dem Staube wundgesressen, wenn