281 Ambrosia u. Nektar
in der Bedeutung Salbe und Reinigungs-mittel (püfifuc) vor, z. B. II, 8 170, wo vonHera erzählt wird, dai's sie ihre Haut mit dy-ßgoaig gereinigt habe, Od. a 192, wo Athene die Penelope mit ambrosischer Seife (kuIIsi( xiißgoetw) wäscht, II. II 670, wo der Leichnamdes Sarpedon, wahrscheinlich, um ihn vor Ver-wesung zu schützen, mit Ambrosia gesalbtwird u. s. w. (Vgl. auch Hymn. in Cer. 237.II. W 186. Ap. 1Ih. 4, 871 u. Schol. Apollod.
3, 13, 6.) Diese ambrosische Salbe wird so-gar gelegentlich von den Göttern zum Hei-len von Wunden benutzt ( Bion. 11. Verg.Aen. 12,419). Ferner erscheinen II. T 38 Nek-tar und Ambrosia als Einbalsamierungs-mittel, da von Thetis erzählt wird, sie habeder Leiche des Patroklos, um sie vor Verwe-sung zu schützen, Ambrosia und Nektar durchdie Nase eingeflöfst, wie es nach Ilerodot 2, 86,die Ägypter mit ihren Einbalsamierungsmittelnzu thun pflegten. Vielfach wird auch deraufserordentliche Wohlgerueh des Nektarsund der Ambrosia, sowie ihre Lieblichkeitund Süfsigkeit hervorgehoben, daher z. B.Eidothea dem Menelaos, um den Übeln Robben-geruch zu vertreiben, Ambrosia unter die Naselegt (Od. ö 445. Vgl. auch Theogn. 8. Philox.b.Ath, 409 e. Theocr. Id. 17, 28. Lucr. 2,847.Anth. Gr. 6, 275. Verg. Geo. 4, 415. Ov. Met.
4, 250. 10, 731). Höchst merkwürdig ist esendlich, dafs neben der Tradition des Homerund Hesiod , welche in Ambrosia die Götter-speise, in Nektar den Göttertrank erblicken,noch eine zweite, ebenfalls recht alte bestand,wonach das Umgekehrte der Fall ist. Vgl.Sappho fr. 51 llergk. AiTcman fr. 97 B, An-axandrides b. Ath. 2, p. 39 a u. Eurip. IKpp.748, wo von einer Quelle der Ambrosia imHesperidengarten die Rede ist. Offenbar isthier derselbe Ort gemeint, von wo nach Od.g 62 die IJslsiai = Illrjuxdss (vgl. Atli. 489 eff.Eustath z. Od. fi 62) dem neugebornen ZeusAmbrosia bringen, indem sie dabei durch dieIrrfelsen hindurchfliegen müssen. Neugebo-rene Götterkinder dachte man sich auchsonst mit Nektar und Ambrosia gefüttert (Hymn.in Ap. Hel. 123. Find. Pyth. 9, 64 Boeckh).Wenn Ambrosia auch als Futtergras für dieGötterrosse erscheint (II. E 369. 777. N 35),so beruht dies wohl auf einer Übertragungdes Begriffes Unsterblichkeitsspeise von denGöttern auf ihre Rosse. — Wie erklärt sichnun die Vieldeutigkeit des Ausdruckes Ambro-sia, welcher nicht nur die Speise, sondern auchdie Salbe und das Reinigungsmittel, eine Ein-balsamierungsessenz und ein Parfüm, ja sogarim Austausch mit Nektar den Trank der Göt-ter bezeichnet? Sehr wahrscheinlich aus dermannigfaltigen Verwendung des Honigs, dergenau dieselben Funktionen wie Ambrosia undNektar hat, d. h. bald als Speise, bald inverdünnter Form als Trank gebraucht wurde(Met , yslHgazov, iSgoysL·). Ein berauschenderHonigtrank spielte bei. den Griechen vor Ein-führung des Weinbaues eine grofse Rolle(Hehn, Kulturpflanzen 2 S. 134. Orpheus b. Por-phyr. de antro n. 16. Ath. 468 a), ferner wurde Ho-nig alsSalbe (Plin.nJi. 11, 37f. 22 , 108 . Aristot.
Ambrosia u. Nektar (= Honig) 282
de an. h. 9, 40, 21. Prohl. 1, 2. Galen, ed. K.13, 731. 12, 70. Gels. 6, 6, 34), als Seife (Ari-stot. Prohl. 1, 2. Galen, ed. K. 10, 569. 11,744. Cels. 5, 16. Porphyr, de antro n. 15. Ja-cobs Bel.epigr. gr. 6, 46), als Einbalsamie-rungsmittel (Herod. 1 , 198. Strab. 746. IHod.15, 93. Xen. Hell. 5, 3, 19. Lucr. 3, 886. Co-lum. 12, 45. Stob. Flor. 6 , 3. Stat. Silv. 3, 2,117. Joseph, Ant. 14, 7, 4. Plin. n. h. 22, 108etc.) benutzt. Auch schrieb man dem Genüsse desHonigs eine gesundmachende, lebenver-längernde Wirkung zu (Ath. 2, 46eff. Geopon.15,7. Laert. Diog. vita Pyth. 18,19. Jamblich ,v. Pyth. 97. Plin. h. n. 22, 114) und brauchteihn in unzähligen Krankheitsfällen als wirk-samstes Arzeneimittel (Aristot. Eth. Nie. 5, 9,15. Plin. n. h, 22, 107 u. 110). Ja es läfstsich sogar nachweisen, dafs der Honig gera-dezu als Götterspeise, und der aus ihmbereitete Met als Göttertrank betrachtetwurde (vgl. Hymn. in Merc. 562: Όεών ηδεϊαsSmärj. Orph. b. Porphyr, de antro n. 16. lia-trachorn. 39). Auch als erste Nahrung neu-geborener Götterkinder kommtHonig vor, ge-radeso wie sonst Nektar und Ambrosia (vgl.Apoll, Eh. 4, 1131. IHod. 5, 70. Anton. Lib.19. Kallim. hy. in Jov. 48 u. s. die Artikel Me-lissa und Melisseus). Vom jungen Zeus gabes demnach zwei Traditionen. Nach der einensollten ihn die Peleiai, d. i. die Pleiaden (s.oben), mit Ambrosia und Nektar (Od. μ 62.Moiro b. Ath. 491b. Overbeck, Kunstmyth. 1,1 (Zeus ) S. 329), nach der andern Bienen mitHonig ernährt haben. Beide Versionen ge-hen offenbar auf denselben Grundgedankenzurück, denn die Bienen fangen erst nach demAufgang der Pleiaden an Honig einzutragen(Aristot. II. a. 5, 22, 4. Plin. n. h. 11, 30:nee otnnino prius Vergiliarum exortu /mel fit·]).Endlich ist noch auf die für unsere Gleichsetzungvon Ambrosia - Nektar und Honig besondersbeweiskräftige Thatsache zu achten, dafs dasganze Altertum den Honig für einen wieManna vom Himmel auf Pflanzen und Bäumefallenden Tau , also schon an und für sichfür eine Art Himmels- oder Götterspeise hielt.(Vgl. unsern Ausdruck „Honigtau“ = άερό-μελι, δροβόμελι, vor μέλι und folgende Stellen:Theophr, fr. 190. Galen, ed. K. 6 , 739. Aristot.h. an. 5, 22, 4. Plin. n. h. 11, 30. Ath. 500 c.Polyaen. 4, 3, 32. Hiod. 17, 75 u. s. w.). Auchinsofern stimmen die Vorstellungen von Am-brosia undNektar mit denen vomllonig wunder-bar überein, als beide als Inbegriff der Süfsig-keit, Lieblichkeit und des Wohlgeruchs be-trachtet und in metaphorischer Bedeutung vonder Süfsigkeit der Rede und des Gesanges ge-braucht wurden. (Vgl. z. B. 11. A 249. lies.Theog. 83. Find. Nem. 3, 74. Ol. 7, 7. Anth.Gr. 7, 29, 3). Ibykos (b. Ath. 39 b; vgl. Schol,Pind.Pyth.9, 113. Tzetz.Hist. 8,984)bezeichnetdie Ambrosia als neunfache Potenz des Honigs.— Litteratur: Roscher, Nektar und Ambro-sia, Leipzig 1883. Bergk in Fleckeisens Jahrbb.1860 (Bd. 81) S. 37 7 ff. Sioll in Paulys Beal-encl 1 unter Ambrosia. Buttmann, Lexil. 1,p. 133. Nägelsbach, Hom. Theol. 2 p. 41. Prel-ler, Gr. Mythl 1 , 88, 1. — 2) Tochter des At-
10
20
30
40
50
60