Band 
Erster Band, erste Abteilung. Aba - Evan.
Seite
781-782
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Bendis

Bendis

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Über das Wesen der thrakisehenBen dis giebt Hesychius s. v. δίλογχον einigenAufschluss. Er sagt:Kratinos hat in seinenThrakerinnen die Bendis δίλογχος genannt,entweder weil sie zwei Würden erlöst hat(Svo τιμάς εκληρώοατο), eine himmlische undeine irdische; denn mit den Lanzen (λόγχαι)meinte man die Losteile (κλήροι); oder weil sieals Jägerin zwei Lanzen trägt; andere meinen,weil sie zwei Lichter besitzt, das eigene unddas der Sonne, denn den Mond hält man fürBendis und für Artemis . Unter diesen Er-klärungen von δίλογχος hat diejenige, welchedas Wort im eigentlichen Sinne nimmt: dieGöttin mit zwei Lanzen, nebst der Begründungals Jägerin die meiste Wahrscheinlichkeitfür sich. Denn diese Eigenschaft war dochwohl die nächste Veranlassung zu ihrer Iden-tificierung mit Artemis , welche, nach jenenDenkmälern zu schliefsen, von den Thrakernvorzugsweise als Jägerin und Erlegerin desWildes aufgefafst wurde. Ihrer Nationalnei-gung zu Krieg und Jagd entsprechend, dach-ten sie sich ihre Hauptgöttin als wilde Jäge-rin, welche über die schneebedeckten Höhenund durch die Schluchten des Gebirgs dahin-stürmt, ähnlich wie die ebenfalls der thraki-sehen Mythologie angehörige Jägerin Harpa-lyke. Dieser Seite ihres Wesens galten wohlauch die wild orgiastischen Gebräuche beidem Bendideenfest in Thrakien , von welchenStrabon berichtet. In dem Abschnitt überden thrakisch-phrygischen Orgiasmus 10 p. 470kommt derselbe auch auf den Kultus der Ko-tys und Bendis zu sprechen. Nachdem er diein Phrygien beim orgiastischen Kultus derKybele und des Dionysos üblichen Gebräucheund Instrumente geschildert: die Flöte, dieHandklapper, die Cymbeln und Handpauken,die bakehischen Rufe und das Stampfen mit <dem Fufs, fährt ei'fort: τοντοις δε εοικε και τάπαρα τοΐς Θραίςί τά τε Κοτνττια και τα Βενδί-δεια. Auch Proclus in Tim. p. 26E stellt dasbarbarische Getümmel (τοί βαρβαρικον κλν-δωνος) bei der Bendideenfeier im Peiraieus derklaren Ordnung der Panathenäen gegenüber.Da der Orgiasmus eine Nachahmung des Thunsder Götter beabsichtigt, so ist dieses Tobenwohl eine Form für die Verehrung einer Gott-heit, die selbst stürmend und brausend dahin- ifährt. Deshalb deutet die erste jener Erklä-rungen von δίλογχος bei Hesychios auch aufHekate hin, welche unheimlich mit gespensti-schen Erscheinungen durch die Nacht tobt.Diezwei Würden (τιμαί) , eine himmlischeund irdische, die bei Hesychios der Bendiszugeschrieben werden, sind Ausdrücke, die ander Hauptstelle über Hekate, Hesiod. theog. 413wiederkehren: Zeus verleiht ihr μοίραν εχεινγαίης τε και άτρνγέτοιο &αλάοοης, ή δε καί Iαατερόεντος άπ οΰρανον εμμορε τιμής, wobeiμοίρα im Sinne vonTeil (nichtAnteil vgl.Welcher, Gr. G. 1 , 566) zu nehmen ist, wasHesychios mit κλήρος bezeichnet. In einemOrakel der Hekate bei Euseb. Praep. ev. 4, 23sind als die drei Naturreiche, die sie beherrscht,Äther, Luft und Erde genannt, was Hesychioswohl durch die Zweiteilung ουρανίαν καί χ&ο-

νίαν ausdrücken konnte. In der That ist dieVerwandtschaft der Bendis mit Hekate auchausgesprochen bei Ilesych. (Αδμητον κόρη · Εκά-τη- τινες δε την Βενδίν, wobei unter Admetos Hades zu verstehen ist. Auch die orgiastischeVerehrung (für Hekate bezeugt von Strab. 10p. 468) haben beide gemein. Schon J. H. Vofs,Myth. Br. 3, 190 ff. hat die thrakische Heimatder Hekate wahrscheinlich zu machen gesucht,) ohne Bendis hereinzuziehen. Da jedoch dieuns überlieferten Zeugnisse die Bendis derArtemis , nicht der Hekate gleichsetzen, sowerden wir wohl das Verhältnis der drei Göt-tinnen so aufzufassen haben, dafs den Grie-chen die thrakische Bendis ihrer Artemisgleichgalt, die Vergleichung der Bendis mitHekate aber diejenige Seite im Wesen derArtemis hervorheben wollte, welche den untersich wiederum wesensverwandten Göttinneni Artemis und Hekate gemeinsam ist, nämlichdie Mondgöttin. Denn auch Mondgöttin scheintnach jener dritten Erklärung von δίλογχος durchdie beiden Lichter Bendis gewesen zu sein.Aber auch auf Persephone findet sich nach einerStelle bei Proclus Theolog. p. 353 der Nameder Bendis übertragen, und Appian Bell. Civ.4, 105 berichtet, dafs die Sage vom Raub derPersephone am Zygaktes, einem kleinen Flufsbei Philippi, heimisch gewesen sei. Heuzeyi a. a. 0. p. 36 hat auch die Darstellungen aufarchaischen Münzen von Thasos und der thra-kisehen Küste mit dem Raub einer Frau (Mül-ler -Wieseler 1 , 16, 80, 81. 17, 82, 84) daraufbezogen und daraus geschlossen, dafs eine ähn-liche Sage von der Göttin Bendis in dieserGegend geherrscht habe, an welche sich danndie griechische vom Raub der Persephone an-geschlossen habe. Wenn der Göttin Bendiseine Seite zuzuschreiben ist, welche sich aufTod und Unterwelt bezieht und daraufweist das Attribut der beiden Lanzen hin,so werden wir darin jenen Artemiskultus vonblutigem und zugleich orgiastischem Charak-ter erkennen, der sich unter verschiedenenNamen von Nordgriechenland über Kleinasien und bis ins Innere von Asien hinein erstreckt,im Norden besonders unter dem Namen derΤαυροπόλος, in Kleinasien unter dem derE λα-φηβόλος; vergl. die eingehendere Darstellungdieses Zusammenhangs bei Bapp, die Bezie-hungen des Dionysoskultus zu Thrakien undKleinasien Stuttgart 1882 p. 32 f. Denn auchder Bendiskultus erstreckte sich über den Bos-porus nach Kleinasien . Auf einer Inschriftvon Byzanz noch auf der europäischen Seitedes Bosporus erscheint der Name ΒενδίδωροςC. 1 . Gr. 2034. Ihre Verehrung auf Lemnos istin der angeführten Notiz des Pliotius bezeugt,wornach sie in Aristophanes Lemnierinnengenannt war. Die Bithyner sodann, welchemit den Thrakern verwandt waren (Herod, 1,28. Thukyd. 4, 75), hatten einen MonatsnamenΒενδιδαΐος , gleichbedeutend mit Άρτεμίαιος,Usser de anno Maced. p. 41, verehrten alsogleichfalls die Bendis. Deshalb hat Mionnet2, 503 η. 1, 2 eine Artemis auf einer Münzedes Königs Nikomedes I. von Bithynien , welchedie Göttin mit zwei Lanzen in der Rechten,