795
Bona Dea
Bonus Eventus
796
Anm. 24 = Kleine philol. Schriften 569f., derim Hinblick auf Plin. n. h. 28, 28 vermutet,dafs man sich Bona Dea wie die deutsche Holda auch als spinnende Göttin vorstellte);als Frauengottheit schlechthin ( feminea deaPropert. a. a. 0 . 35. 0s6g yvvcn-usia Varro bei Macroh. a. a. 0. Flut. Q. K., Caes.a. aa. 00 . Cic. 19) tritt sie in Gegensatz zuHercules, vgl. licifferscheid, De Jlerc. ct lu-none diis Italor. coniugal. in Annali d. inst, io39, 1867 p. 354. 358 und Hercules. /·'. /.. TU.Schwarte erklärt (N. Jahrb. f. Ph. 109, 1874,180 ff. u. Der Ursprung der Stamm- und Grün-dungssage Poms etc. Jena 1878, 35) im Wider-spruche mit dem überall deutlich hervortreten-den Charakter der Göttin als Erdgöttin BonaDea als eine Himmelsgöttin und stellt denMythus, der von ihrer Besehleicliung durchFaunus erzählt, mit einem ähnlichen von Zeus und der Persephone als Mutter des Zagreus 20und einem anderen von Odhin und Gunlöd,wo überall das Beschleichen der Göttin durcheine Schlange sowie der 'Göttertrank’ eineRolle spielt, zusammen: er erkennt hierin'Gewittermythen’ und führt deren Ursprungzurück auf 'die Vorstellungen eines bei denindogermanischen Völkern hervortretenden al-ten, rohen Glaubensatzes, nach welchem manin der der Welt Beängstigung bringenden Ge-witterwolke ein Wesen erblickte, welches sich soauf die Sonne lagert, indem der Sturmesgottin Gestalt des sich schlängelnden Blitzes zurBegattung mit derselben in den Wolkenberghineinschlüpft’ {Jahrb. 181 f.); auch das Peit-schen mit Myrtenruten finde in dem 'mythi-schen Naturkreise’, in den Schwarte die Sagenverweist, seine Analogieen {Jahrb. 182. Ur-sprung 36 Anm.) Der im Kultus der Göt-tin hervortretende griech. Einflufs und diegräcisierenden Auffassungen der Alten haben 40Motty, De Fauno et Fauna s. Dona Dea diss.Berol. 1840 p. 36ff. und Gerhard a. aa. 00 . n.Gr. Myih. 2 § 975 p. 289f. verleitet, das echt-italische Wesen der Göttin gänzlich zu ver-kennen; besser hat noch Klausen (a. a. 0 .849ff.), trotz seiner mystischen Deutungen,daran festgehalten, dafs Bona Dea eine ita-lische Göttin ist. [R. Peter.]
lionadie fBovadCrf) = Bona Dea (s. d.) C. I.Gr. 6206. [Roscher·.] 50
Bonns Eventus. Bonus Eventus gehört indie Reihe derjenigen römischen Gottheiten,deren Kult in jener Periode wurzelt, als Rom noch vorwiegend ein ackerbautreibender Staatwar, und die daher ursprünglich eine reinagrarische Bedeutung hatten, während einespätere Periode ihren Wirkungskreis erwei-terte und auf die allgemeinen Verhältnisse desLebens ausdehnte. Evenire und eventus sinddie eigentlichen Ausdrücke für das glückliche coAufgehen und Gedeihen der Feldfrüchte (vgl.Cato de agrie. 141. Paul. p. 220), und demge-mäfs ist auch der Gott Bonus Eventus von vornherein speziell eine Gottheit des Landbaues;als solche führt ihn noch Varro {de r. r. 1,
1, 6) unter den 12 Göttern auf, gui maximeagricolarum duces sunt. Jemehr aber der Acker-bau im Leben des römischen Volkes zurück-
trat, umsomehr wurde Bonus Eventus zumGotte jeglichen glücklichen Gelingens, wie unsdas die Inschriften zeigen (vgl. Mommsen,Areh. Ane. 1860, 74*f.); wir hören von einemBonus Eventus profeetionis orientalis et redi-tus augustorum {C. 1. 1j. 1560) oder einemBonus Eventus legionis I. Italicae {C. I. L. 3,0223); man macht ihm Dedikationen jiro salutedominorum nostrorum n. s. w. ( G. I. lihen. 983),ob honorem sacerdotii (O. /. L. 2, 1471), wegender Entdeckung eines Bergwerks (0. I. 1.. 3,1128) u. ähnl. Wahrscheinlich wurde er auchschon in früherer Zeit von Staatswegen ver-ehrt; wenigstens findet sich sein Kopf mitUmschrift auf dem Avers der um 700 u. c.geprägten Denare des L. Scribonius Libo{Cohen, nxed. consul. pl. 36, Scribonia 2; vgl.Mommsen, Köm. Münzw. p. 632, 247c). Inder Kaiserzeit besafs er einenTempel auf dem Marsfelde inder Nähe der Thermen desAgrippa {Ammian Marc. 29,
6, 19; vergl. Decher, Topogr.
649f.). Aufserdem hören wirvon mehreren berühmten Sta-tuen dieser Gottheit, welche „
öffentlich m Rom aufgestellt Münz(J d . goriboi ; iaawaren: auf dem Capitol stan- Ijib0 {Coken> mü _den Bildnisse des Bonus Even- C ons. pl. 36, 2 ).tus und der Bona Fortuna vonder Hand des Praxiteles {Plin. 36, 23; s. Aga-thodaimon), und eine andere Statue, welche denGott mit einer Schale in der rechten und mitÄhren und Mohn in der linken Hand darstellte,trug den Namen des Euphranor {Plin. 34, 77).Natürlich beruhte bei beiden Werken die Be-zeichnung als Bonus Eventus nur auf einerUmtaufung einer griechischen Gottheit, undman hat nach der Beschreibung der Statuedes Euphranor wohl mit Recht angenommen,dafs ursprünglich ein Triptolemos [oder Aga-thodaimon; s. d. u, vergl. Welcher, Götterlehre3, 211, 1] dargestellt war {Boettiger, Vasen-gemälde 1, 2 p. 211 ff.). An diese oder ähn-liche statuarische Vorbilder (speziell an diepraxitelische Statue denkt Urlichs, obsermt.de arte Praxiteles p. 4ff.) knüpfen dann dieDarstellungen des Bonus Eventus an, die sichauf Münzen der Kaiser von Galba bis auf Gal-lien häufig finden: der Gott ist als nackterJüngling gebildet, der in der einen HandÄhren hält, in der andern eine Schale, ausder er in die Flamme eines vor ihm stehen-den Altars libiert {Cohen, med. imper. Galba 11,Titus 9, Antonin le Pieux 491. 494. Suppl. 57.58 u. a.); an die Stelle der Ähren tritt zu-weilen ein Füllhorn {Cohen a. a. 0. Antonin lePieux 492. 493. 495). Ähnliche Darstellun-gen begegnen uns dann auch auf Gemmen{Müller-Wieseler, Denhmäl. d. alt. Kunst 2,944. Dudlet, d. inst. 1839, 107 n. 98), Reliefs{Müller-Wieseler 2, 942), in kleinen Bronzen(z B. Fricderichs, Derlins ant. Bildw. 2 n 2009.2010) und seltner auch in Marmorstatuen {Bul-let. archeol. munic. 6, 1878 p. 205ff. tav. 17,vgl. die verwandten Statuetten bei Matz-Duhn,Antihe Bildwerke in -Rom No. 306—310). Aller-dings weichen die meisten dieser Darstellun-