Boreaden
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4 , 44 oder allgemeiner durch die ArgonautenApollod. 3, 15, 3: ein vollständiger Wider-spruch gegen den ursprünglichen Sinn derSage, nach welchem die Boreaden als die Be-freier des Phineus erscheinen. Nicht besserist die Version, welche die Blendung des Phi-neus dem Boreas selbst zuschreibt, Apollod.1, 9, 21. Diod. 4, 44. Serv. ad Aen. 3, 209(oder auch seine Entführung zu den Bistonen,Orph. Arg. 680), da Boreas damit der Thatseiner Söhne, der Befreiung des Phineus, ge-radezu entgegen handelte. So wurde zu derersten motivierenden Ausschmückung, der Blen-dung der Stiefsöhne, auch noch die Bachedurch die Verwandten hinzugedichtet. Für dieVerjagung der Harpyien durch die Boreadenbietet Apollon. Shod. 2, 262 ff. den ausführ-lichsten Bericht, welchem das Vasenbild Mon.d. Inst. 3, 49 entspricht, das die Scene mitdem Argonautenzug in Verbindung bringt:die Boreaden bereiten dem Phineus ein Mahlund stellen sich mit Schwertern dazu; alsnun die Harpyien herbeistürzen, um dasMahl zu rauben und zu besudeln, dringensie auf dieselben ein, verfolgen sie hartund hätten sie erreicht bei den vgeoig TLUa-ralg , wenn nicht Iris dazwischen getretenwäre mit der Verkündigung, dafs es ihnennicht erlaubt sei, die Harpyien zu töten, undsich dafür verbürgt hätte, dafs sie den Phi-neus nicht mehr belästigten. Hierauf kehrtendie Boreaden zu den Argonauten zurück (ins-ßzQscpov) , wovon jene Inseln Strophaden ge-nannt wurden. Mit dieser Erzählung stimmenauch die andern überein, am meisten Serv. adAen. 3, 209 und Valer. Flacc. Arg. 4, 500;doch gehen die Angaben über den Ausgangder Sage auseinander. Nach dem Schol. Apol-lon. Sh. Arg. 2, 297 soll Hesiod zur Vermitt-lung den Hermes statt der Iris eingeführthaben , während Val. Flaccus dem Vater derHarpyien, Typhon, diese Bolle zuweist. Apol-lodor dagegen (und nach ihm Tzetzes Chil. 1,217) läfst nach einer Version, der jedoch Aku-silaos widerspreche, die Boreaden bei der Ver-folgung umkommen 3, 15, 2: tag 'Agitviag Sita-Mvxeg ans&avov ; nach einer andern wenigstens einen davon in der etwas unklaren Er-zählung 1, 9 , 21: „es war den Boreaden be-stimmt zu sterben, wenn sie die Harpyien nichterreichten. Bei der Verfolgung fiel die einem den Tigresflufs, die andere kam bis an dieEchinadischen Inseln, welche jetzt von ihnenStrophaden genannt werden; denn hier wandtesie sich (IffTpaipTj) und fiel mit dem Verfolgervor Anstrengung nieder.“
Die Bedeutung der Verfolgung derHarpyien durch die Boreaden kann nicht zwei-felhaft sein: es ist eine griechische Variationdes germanischen Mythus von der Verfolgungder Trollweiber, Holzfräulein, weifsen Frauendurch die wilden Jäger, vgl. Mannhardt, A.W.- u. F.-K. 95. Soscher führt unter Zustim-mung zu dieser Ansicht Jahrb. f. Philol. 1877
5. 406 eine Stelle aus Wieseler, Göttinger Fest-rede v. 4. Juni 1874 an: „Wer an Ort u. Stelle(d. h. zu dem heutigen Kap Karibsche am Bos-porus ) kommt, kann erfahren, dafs hier zwei
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furchtbare Orkane wüten, der sogen, schwarzeund der weifse. Jener, bei dem sich der Him-mel mit finsteren Wetter- und Regenwolkenbezieht, ist der minder starke. Ihn repräsen-tieren die Harpyien, deren eine Kelaino, diedunkle, heifst. Der heftigere Orkan, der sog.weifse, hat seinen Namen daher, weil er beivöllig heiterem Himmel plötzlich losbricht.Seine Repräsentanten sind die Söhne des Bo-reas , welcher bei den Griechen ständige Bei-namen von der hellen, trockenen Witterunghat.“ Wir haben somit hier eine Wiederholungder Sage von der Verfolgung der Oreithyiadurch Boreas , nur mit dem Unterschied, dafsdie Verfolgung hier nicht den Sinn der Braut-werbung , sondern durch Hereinziehung derPhineussage die Befreiung des letzteren zumZweck hat.
Sonst wird von den Boreaden wenig er-zählt: nach Apollon . Shod. 1,1304 nahmen siean den Leichenspielen des Pelias teil und sieg-ten dabei nach Hygin. fab. 273 in der Renn-bahn, während sie Schol. Pind. Olymp. 4, 26, 32bei der Leichenfeier des Thoas besiegt wur-den. Ihr Tod wird gewöhnlich auf Herakles zurückgeführt, der sie nach der Angabe desAkusilaos bei Apollod. 3, 15, 2 auf Tenos ge-tötet haben soll. Apollon . Sh. Arg. 1, 1298führt dies weiter aus mit Angabe des Grun-des : Herakles war bei der Argonautenfahrtin Mysien zurückgeblieben (vergl. auch Diod.4, 44); die andern wollten zurückkehren, umihn wieder aufzunehmen, aber die Boreadenverhinderten es. Dafür sollte sie die Strafedes Herakles ereilen: als sie von den Leichen-spielen des Pelias zurückkehrten, tötete er sieauf der Insel Tenos und errichtete ihnen einGrabmal mit zwei Stelen (eine homerischeSitte p. 14 und Ameis Anh. z. d. St.), vonwelchen die eine sich — ein Wunder — beimWehen des Boreas bewegt (die Macht desNordwinds auf Tenos erwähnt auch noch So/’s,Inselreisen 1, 20). Das Schol. zu 1300 u. 1304weifs noch vielerlei andere Gründe für ihrenTod anzugeben, die alle ohne Bedeutung sind;den Tod durch Herakles haben auch Senec.Med. 637. Ilygin. fab. 14.
2) Aufser Zetes und Kalais werden nochandere Nachkommen desBoreas genannt.Einmal ebenfalls von Oreithyia die Töchter Kleo-patra und Chione, Apollod. 3, 15, 1. Schol.Apollon. Sh. Arg. 1 , 211 ff. Kleopatra , dieschon genannte Gemahlin des Phineus, solltenach Diodor 4, 44 von den Boreaden aus demGefängnis befreit worden sein. Bei SophoklesAnt. 983 erscheint sie als echte Boreastoch-ter: sie wächst in ferner Höhle unter den Stür-men des Vaters auf und gleicht ihm als Bo-Qsag afunnog an Schnelligkeit. Chione drücktschon in ihrem Namen die Beziehung zu Bo-reas aus, wenn auch die daran geknüpfte Er-klärung Forclihammers Hellenika S. 85 nichtzutrifft. Die Aufführung einer dritten TochterChthonia Schol. Apoll. Sh. 1 , 211 beruht wohlauf einer Verwechslung mit einer gleichnami-gen Tochter des Erechtheus, vergl. Stephania. a. 0. 4. Nur Schol. l'heokr. Id. 7, 7G nenntauch den Haimos wegen der Nachbarschaft
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