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Erster Band, erste Abteilung. Aba - Evan.
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809-810
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809 Boreas (u. Oreithyia) Boreas (u. Oreithyia) 810

einer Doppelströmung am Euripus zu erklären,die daselbst fJopsas und Ttaligßogiccs genanntwerde. Für beide Auffassungen fehlt es wohlan einer Analogie; dagegen scheint es, als obdas Doppelgesicht nach griechischer und rö-mischer Anschauung den Windgottheiten über-haupt zukäme, so dem als Doppelherme dar-gestellten Windgott Hermes und dem Janus,der ohne Zweifel auch ein Windgott war,s. Eoscher, Hermes S. 125.

3) Der Mythus vom Raub der Oreithyia.

Jenes heftige Temperament zeigt er ins-besondere in dem Mythus, durch den er in dieälteste Landessage Attikas verflochten ist unddem er vornehmlich die Ausbildung seinermythischen Persönlichkeit durch die Darstel-lung in der Kunst und Poesie verdankt. DesErechtheus Tochter Oreithyia spielte mit ihrenGefährtinnen am Ufer des Ilissos, indem sietanzte oder Blumen pflückte: da erschien Bo-reas , raubte die Jungfrau und trug sie durch

Hermann praef. 17. Am bedeutendsten ist dieAbweichung von der attischen Gestalt derSage bei Akusilaos : er läfst sie als Kanephoreauf die Akropolis gehen ftvovoav tjj itoUdSiA&rjvä und dort von Boreas geraubt werden.Ohne Zweifel aber soll diese Version durch&voveuv nur den Namen, der deshalb auchSlgi&va geschrieben ist, erklären, s. Welchera. a. 0. S. 148. Als den Ort, wohin Boreas io die Jungfrau entführte, nannte Simonides,Pherehydes und Apollonius Ehodius den Sar-pedonischen Felsen in Thrakien , vielleichtwegen des Anklangs dieses Namens an ag-mi^co, Welcher a. a. 0. S. 147. Ovid Met. 6,170 nennt allein die thrakische Völkerschaftder Kikonen. Von den näheren Umständenbei dem Raub ist wenig die Rede: die in derErklärung Platons als anwesend genannte Phar-makeia bleibt auch nach der Deutung Welckers20 a. a. 0. S. 152 ff. noch rätselhaft; dagegen sindauf der Münchener Vase 376 anwesend und mit

Boreas (doppelköpfig) verfolgt Oreithyia (Vasenbild nach Ann. dell Inst. 32, tav. L. M; vgl. S, 808 Z. 61).

die Lüfte fort in seine thrakische Heimat, wosie seine Gattin wurde und ihm die beidenSöhne Zetes und Kalais gebar. So erzählteman nach Platon Phaedr. 229 B die Sage inAthen, welche auch Äschylos und Sophokles ihren TragödienOreithyia zu Grunde legten,vgl. Welcher, a. I). 3 p. 155. 176. Das ältesteZeugnis ist die Darstellung auf der Lade desKypselos, Paus. 5, 19, 1: Βορέας ΎΐρπακώςΩρεί&νιαν. Sodann beschäftigten sich die älte-ren Dichter und Geschichtschreiber damit: Si-monides, Choirilos, Pherekydes, über deren An-sichten das Schol. Apollon . Ehod. Arg. 1, 211berichtet, und der Logograph Akusilaos , Schol.Odyss. 14, 533; ferner Apoll. Ehod. Arg. 1,211 ff. Apollodor 3, 15, 1 und zahlreiche Spä-tere (vergl, die Stellensammlung bei Stephania. a. 0. S. 6, 7). Die Abweichungen sind imganzen nicht von Bedeutung: statt des Ilissos nennt Choirilos den Kephisos, Simonides viel-leicht den Brilessos (Hdschr. βριλισοον , wasWelcher a. Ώ. 3, 149 =ίλιααον nimmt); inder, Platonischen Stelle ist der Zusatz rj εξΑρει'ον πάγον etc. als Glossem erkannt, s. G. Fr.

Namensinschrift bezeugt: Herse, Pandrosos ,Kekrops, Aglauros, Erechtheus. Ovid Met. 6,682 läfst Boreas zuerst in aller Form um siewerben, und erst wie der gegen die Thrakereingenommene Vater sie ihm versagt, schreiteter zornentbrannt zum Raub; ohne Zweifel__nachÄschylos , vgl. Welcher S. 176. Völlige Über-einstimmung mit den Schriftstellern zeigen dieVasen mit dem Raub der Oreithyia, welchevermöge ihres Stils sämtlich der Zeit nachden Perserkriegen angehören, vergl. Starka. a. S. 323. Es finden sich hauptsächlich zweiMomente dargestellt: auf den meisten verfolgter die fliehende Oreithyia, auf andern (München 376 u. Berlin 1602) hält er die Fliehende mitunentrinnbaren Armen umfafst (Beispiele beider Gattungen geben obige Abbildungen S. 806 f.),vgl. Welcher, Annali 29 S. 207. Stark, Annal.32 S. 341. Stephani a. a. 0. S. 8 zählt 25 Vasenund ein Relief. Die Plastik des entwickeltenStils, durch eine schöne Gruppe auf Delos ver-treten (hier nach der RekonstruktionszeichnungFwrtwänglers, Arch. Ztg. 40, 339 abgebildet,siehe S. 811), folgt der letzteren Auffassung.