Band 
Erster Band, erste Abteilung. Aba - Evan.
Seite
873-874
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Charilaos

geschah dadurch, dafs alle neun Jahre eineGetreideverteilung durch den König vorge-nommen und dahei eine Charila genanntePuppe von demselben geschlagen, dann vonder Führerin der Thyiaden ergriffen und ineiner Bergschlucht vergraben wurde, nach-dem der Hals derselben mit einem Binsen-seil umwunden worden war. Es ist dieswahrscheinlich eine alte lokale symbolischeDarstellung der Ernte. Das Getreide stirbtinfolge der Trockenheit ab, wird zu Garbengebunden, ausgetreten und eingebracht. X&-gila dürfte demnach ein Getreidedämon sein,vgl. jedoch Usener im Bhein. Mus. 30, Jahrg.1875. S. 203ff. Mommsen, Delphika S. 249ff.Mannhardt, ant. Wald- u. Feldkulte S. 298.Auch die von Plutarch a. a. 0. mit der-giXcc in Verbindung gebrachten Feste XrsTCvg-giov und 'Hgaig weisen auf erstere Auffassunghin. [Steuding.]

Charilaos oder Charillos oder wohl besserChorillos (XaglXaog, XdgiXXog, XogilXog?), Sa-tyr; Heydemann, Satyr- und Bakehennamen.Halle 1860 S. 36; vergl. C. I. Gr. 7461.

[Roscher.]

Chariphemos (Xagicpryiog), Sohn des Philo-terpes ; einer der zehn Vorfahren Homers inder bis auf Orpheus zurückgehenden Reihederselben. Hellanikos, Damastes u. Pherekydesbei Proclus v. H. p. 25; vgl. Müller, fr. h. gr.2, 66, 10 u. 1, 46, 6. Schol. Ven. Bekk. praef.p. I. S. Euphemos. [Steuding.]

Charippos s. Charops 4.

Charis, Chariten (Xclgig, Xagirsg, Gratiae ;statt Xagi-vig sagte Sophokles in einer ElegieXagal , Erotian. 390), die personificierte An-mut. Bei Hom. II, 18, 382 ist Charis die Ge-mahlin des Hephaistos, während in der Odys-see (8, 270) Aphrodite seine Gemahlin ist; dochdarf man bei dem streng ausgebildeten Namen- .System des Dichters nicht behaupten wollen,dafs jene Charis die Aphrodite selbst sei, son-dern mufs für beide Stellen verschiedene Ver-fasser annehmen. Nägelsbach, homer. Theol.S. 109. Hes. Theog. 945 nennt die Charis ,welche dem Hephaistos vermählt war, Aglaia,die jüngste der Chariten; nach den Schol. zuder homerischen Stelle hiefs sie Aglaia oderThalia. (Nach orphischer Lehre zeugte He-phaistos mit Aglaia vier Töchter, Eukleia, >Eustheneia, Eupheme und Philophrosyne, Pro-cul. in Tim. 2,101). Homer II. 14, 267 sprichtvon einem ganzen Geschlecht von Chariten;dort verspricht Hera dem Hypnos die Pasithea(v. iH'tt, Schau, also die Wunderschöne, Prel-ler·,die über alle geheut, wie der Schlafselbst, Welcher), eine der jüngeren Chariten,zur Gattin. Vgl. Paus. 9, 35, 1. Mus. Heroet Leand. 77. Dieses Charitengeschlecht scheintähnlich den Nymphen des Verg. Aen. 1 , 71. (Homer nennt weder Zahl noch Namen undAbstammung der Chariten. Auch Pamphos, derzuerst von den Chariten gesungen haben soll,nannte weder Zahl noch Namen, Paus. 9, 35,1.Nach Hesiod Theog. 907, dem die Späterenmeistens folgen, waren es drei: Euphrosyne,Thalia (bei manchen Thaleia ) und Aglaia, Töch-ter des Zeus und der Okeanine Eurynome,

Charis u. Chariten (Mythus ) 874

der weithin Waltenden. Vergl. Apollod. 1,3, 1 . Paus. 9, 35, 1 . Orph. II. 59. Hygin.praef. Cornut. 15. Osann zu üornut. p. 272.(Uber Eurynome s. Preller, Griech. Myth . 1.

S. 394f. Schömann, Opusc. Ac. 2. p. 160f.).Pindar Ol. 14, 13 nennt die drei Chariten mitden hesiodischen Namen und den Vater Zeus ,aber nicht die Mutter. Zeus gilt gewöhnlichals Vater der Chariten; aber als Mutter wird

) auch Hera angegeben ( Cornut . 15. Koluth. B.Hel. 174. Xagkasv ri9~fjvrj heifst sie V. 88), mitder sie überhaupt in enger Verbindung stehen( Welcher, Gr. Götterl. 1. S. 372 ff., auch imAnhang zu Schwenck, Etym.-myth. And. S. 288),Eurydome ( Cornut . 15), Eurymedusa (ib.),Euanthe (ib.), Hemonia (Burmann, Anth. Lat .

T. 1. p. 54), Harmione oder Harmonie (Lact,z. Stat. Theb. 2, 286), Eunomia (Orph. H. 59, 2,nicht in Eurynome zu korrigieren, s. Müller,

\ Orchom. S. 180, 2. Lobeck, Aglaoph. 1. p. 398.Osann zu Cornut. c. 15. Eunomia unter diedrei Chariten gezählt, Themist. Or. 16 p. 406ed. Petav.), die Orchomenierin Koronis vonDionysos (Nonn. 48, 555), Aphrodite von Dio-nysos (Serv. Aen. 1, 720; die Charis Pasitheaheifst Tochter des Dionysos bei Nonn. 15, 91.33, 1). Nach Dosiadas (Ara 14) stammtensie aus den himmlischen Lüften, von Uranos .Auffallender Weise steht Gratia Oie. Nat. D.3, 17, 44 unter den Kindern des Erebos undder Nacht. Lethe nannte man die Mutter derCharis , weil der Dank (xdgtg) leicht verges-sen wird, Schol. II. 14, 276. Eustath. Hom.p. 982, 46. Antimachos (Paus. 9, 35,1. fr. 85Stoll), der weder Zahl noch Namen der Cha-riten genannt, machte den Helios zum Vaterund Aigle (Glanz) zur Mutter derselben. Vgl.Schol. Anthol. gr. 1, 27 p. 52 ed. Frankf. (1600).Suid. u. Hesych . Ai'yh jg Xugneg. Danach hatOsann. Cornut. 15, wo Aglaia die Mutter derChariten heifst, Aigle geschrieben. DieChariten waren die Göttinnen heitrer Anmutund erfreuenden Reizes sowohl im Bereicheder Natur wie im Menschenleben; doch habensie unter dem Einflufs der Dichter mit derZeit sich mehr dem Menschenleben zugewandt.Hier bezeichnen sie besonders das heiterefrohe Festesleben, die Anmut des durch Sitteund Schönheitssinn geregelten, durch Schmuckund Freude gehobenen Beisammenseins. Dader Begriff der Geselligkeit hei ihnen vor-herrscht, so sind sie unzertrennlich mit einan-der verbunden und selbstvergessen gerne imDienste andrer beschäftigt. Ihre Namen Eu-phrosyne,die Frohsinnige, Thalia,blühendeFestesfreude, Aglaia,festlicher Glanz, wes-sen auf die fröhliche Geselligkeit hin. Sieverschönen den Menschen das Leben;nichtsLiebliches und Schönes wird den Menschenzuteil ohne die Chariten, Theokr. Id. 16, 108.Wie selbst die Götter nicht ohne der ehrwür-digen Chariten Geleit zum fröhlichen Mahleund Reigen gehen, sondern sie im Himmelüber allem walten, was geschieht, so kommtauch den Sterblichen alles Süfse und Liebevon ihnen, sei einer ein weiser, ein schöner,sei er ein ruhmstrahlender Mann, Pind. Ol.14, 5ff. Wo zu Fest und Spiel, zu Tanz und